Meinung : Land der Moabiter

„Biblischer Inzest“ vom 8. September

Der Ortsteil Moabit ist wohl kaum nach einem biblischen Inzest benannt worden, wie Prof. Dr. Jürgen Kunze insinuiert. Der Name geht wahrscheinlich auf die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten zurück, die vom Großen Kurfürsten in Brandenburg aufgenommen und ab 1716 in dem bis dahin unbewohnten Gebiet nördlich der Spree angesiedelt wurden. Den Namen hierfür wählten die frommen Glaubensflüchtlinge offenbar in Erinnerung an das biblische Land der Moabiter, in dem die Israeliten sich nach der Flucht aus Ägypten jenseits des Jordan gelagert hatten, bevor sie das verheißene Land Kanaan in Besitz nehmen konnten (Altes Testament: Numeri und Deuteronomium). Möglicherweise blickten die Refugiés von der sandigen und wenig fruchtbaren Scholle, die ihnen zugewiesen worden war, sehnsüchtig über die Spree auf die Stadt Berlin wie die Israeliten damals über den Jordan in das gelobte Land, von dem es hieß, dass dort „Milch und Honig fließen“.

Almut Trenkler, Berlin-Lankwitz

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben