Meinung : Landowsky-Affäre: Lässig - und nachlässig

Brigitte Grunert

War was in der Berliner CDU? Iwo, für Klaus Landowsky doch nicht. "Ich bin wieder da!", sagt der Fraktionschef. Das Blut möchte einem in den Adern gefrieren bei so wenig Empfindsamkeit für das, was ist. Als würde er seinen Posten als Bankchef der Berlin Hyp nur aufgeben, um mehr Zeit für die Politik zu haben ...

Nicht eine Sekunde zeigt der Mann, der im Umgang mit zwei Parteispenden von insgesamt 40 000 Mark gegen sämtliche Regeln, auch die innerparteilichen verstoßen hat, Zerknirschung. Nicht einmal eine Schamfrist der Sprachlosigkeit hält er für nötig. Er trumpft auf. Er bestimmt - Daumen rauf, Daumen runter - wo es lang geht.

Derselbe Klaus Landowsky hat kürzlich gesagt, die verlorene Wahl von 1989 habe ihm und Eberhard Diepgen die "notwendige Demut" zurückgegeben. Die muss er verdrängt haben. Das traumatische Erlebnis vor zwölf Jahren hatte mit den Nachwehen der facettenreichen Affäre zu tun, in der es um Schmiergelder, Parteispenden und Korruption ging. Aus diesem Schaden sind die CDU-Altvorderen offensichtlich nicht klug geworden. Schlau entlasten und stützen sie sich nun gegenseitig. Der CDU-Chef Eberhard Diepgen hat nicht gewusst, dass es eine Parteispende gab. Klaus Landowsky hat nichts von dem Schwarzkonto gewusst. Und der damalige Schatzmeister Dankward Buwitt sitzt bis heute im Aufsichtsrat der Berlin Hyp. Dort hat Landowsky die Spenden von einem Parteifreund und Großkreditnehmer erhalten. Für Diepgen war es eine Dämlichkeit, für Landowsky "eine Sekunde der gedanklichen Nachlässigkeit". Ist da jemand, der sich zur Verantwortung für so viel Filz und Anrüchigkeit bekennt?

Fürs Erste wurde die Abluft der ganzen Affäre um die Bankgesellschaft und ihre Immobiliengeschäfte, für die Landowsky bankintern verantwortlich zeichnet, in den Bundestag geleitet. Das tat der Berliner SPD gut, die ein zu schwacher Koalitionspartner der CDU ist, als dass sie den Haudrauf spielen könnte. Sie verhält sich bisher besonnen: Distanz von den Machenschaften und Ruf nach Aufklärung einerseits, Koalitionstreue andererseits. Koalitionen kündigt man nämlich immer erst auf, wenn jeder begreift, dass das Fass übergelaufen ist. Und wenn man eine Alternative hat. Die SPD hat keine, es sei denn die Ampel mit PDS und Grünen. Aber die blinkt aus guten Gründen nicht.

Alle sind sie aneinander gekettet. So hat Landowsky die CDU-Nachwuchspflege nicht gemeint, dass er das Netzwerk der Macht von Ungeübten zerreißen ließe. Wissen Landowsky und Diepgen, dass ihre Zeit zu Ende geht? Damals, zu Mauerzeiten, rückte man in der gebeutelten und hochsubventionierten Stadt zusammen - nach dem Prinzip "Teile und herrsche". So entstanden Pfründe und Abhängigkeiten. Noch hält dieses Flechtwerk, auch wenn der Zusammenhalt schwindet. Diese Stadt hat sich gehäutet. Sie verdient auch in der Landespolitik kein dickes Fell, sondern eine dickere Personaldecke der regierenden Parteien.

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