Meinung : Landvermessung

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Die deutschpolnische Annäherung seit 1989 ist eine der bewegendsten Entwicklungen der jüngsten Geschichte und bleibt zugleich der Prüfstein für Europas Zukunft. Diese Nachbarschaft ist noch lange nicht normal, auch nach der EU-Erweiterung nicht. Polen hat noch keinen festen Platz auf der politischen Landkarte der Deutschen so wie Frankreich oder Großbritannien, dafür reichen die 15 Jahre nicht. Die Wahrnehmung schwankt zwischen Ignoranz, plötzlich aufwallendem Versöhnungsidealismus oder Ärger über Bockigkeiten im Alltag. Dieses Verhältnis bedarf der regelmäßigen Vergewisserung, damit es sich bewähren kann als ein Grundstein des neuen Europa. Horst Köhlers erste Reise als Bundespräsident führt nach Polen, das ist ein kluges Signal in die Zukunft. Am Tag seiner Vereidigung wurde in Berlin auch der deutsch-polnische Preis verliehen, als Beleg, welchen Weg Deutsche und Polen bereits zurückgelegt haben. Hans Koschnick hat als Bremer Bürgermeister in den 70er Jahren die Partnerschaft mit Danzig aufgebaut, weil sich „nicht verfestigen durfte, dass die Deutschen die Polen nicht verstehen und die Polen den Deutschen nicht vertrauen“. Und Robert Traba in den 80er Jahren im ostpreußischen Allenstein den Verein „Borussia“ gegründet, um gegen viele Widerstände die deutsche Geschichte der Region bekannt zu machen – als seinen Beitrag zur „Republik der vernünftigen Menschen“. Polen und Deutsche sind sich schon so viel näher gekommen, und doch noch nicht wirklich nah. Aber die Richtung stimmt. cvm

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