Meinung : Lange Startbahn

Von Gerd Nowakowski

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Landen könnte der Airbus 380, der gestern zum ersten Mal abhob, in Berlin schon – zumindest theoretisch. Denn die Landebahn des neuen Großflughafens in Schönefeld soll 4000 Meter lang werden. Kleines Problem, ob der Berliner Airport fertig wird, ist einigermaßen unklar. Der zuletzt vorgesehen Öffnungsstermin 2010 jedenfalls ist hinfällig, der Aufsichtsrat hat den Termin auf 2011 verschoben. Übrigens: urspünglich sollten die Jets schon 2007 starten. Kleine Verschiebung, große Wirkung: Den Zweifeln an dem Milliardenprojekt gibt es Nahrung, wenn die Flughafenplaner nun eingestehen, dass die Schwierigkeiten gravierend sind.

Zwei krachende juristische Niederlagen innerhalb kurzer Zeit – nun hat sich der Aufsichtsrat offenbar für eine kontrollierte Notlandung entscheiden. Erst wurde im Februar der Landesentwicklungsplan für den Standort Schönefeld kassiert, dann stoppten die Bundesverwaltungsrichter alle Bauarbeiten, bevor nicht über die Klagen gegen das Gesamtprojekt entschieden ist. Das aber wird nicht vor Sommer 2006 sein. Nach beiden Niederlagen wurde übrigens beteuert, das hätte keinerlei Auswirkungen.

Abwiegeln, wo Ehrlichkeit vonnöten wäre; Aussitzen, wo Handeln angesagt wäre – das ist der Weg zur Bruchlandung. Es ist allein schon ein Absturz, wenn der Chef einer Landesplanungsbehörde nicht weiß, dass das existierende Landesgesetz der dezentralen Entwicklung einer Standortplanung in Schönefeld entgegensteht. Der Fehler hat den Behörden-Chef das Amt gekostet. Wenn das Projekt dermaßen fahrlässig vorbereitet wird, dann darf man auf den Spruch der Leipziger Bundesrichter gespannt sein. Die Anwälte der Kläger haben auf weitere, massive Mängel hingewiesen, etwa bei der Lärmbelastung der Anwohner. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat als Aufsichtsratschef den Airport zur Chefsache erklärt: Haben wir die Nachricht überhört, das noch einmal alles überprüft wird, damit die Genehmigung für das wichtigste Großprojekt gerichtsfest gemacht wird? Dafür erklärt Wowereit zuweilen, er sei eigentlich immer für einen Berlin-ferneren Standort gewesen.

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