Lars Vilks : „Ich habe keine Angst“

Der schwedische Karikaturist nimmt die Drohungen der Al Qaida mit Galgenhumor.

André Anwar

Der Humor scheint Lars Vilks nicht vergangen zu sein. „Es ist schön, dass nun auch Al Qaida an meinem Kunstprojekt teilnimmt – nebst anderer äußerst engagierter Akteure“, witzelte der Künstler und ehemalige Kunsttheorieprofessor nach der Morddrohung eines irakischen Al-Qaida-Führers tapfer.

100 000 Dollar für seinen Tod, noch mal 50 000, wenn Vilks „wie ein Lamm abgeschlachtet“ werde, verspricht der Iraker. „Ob man denn Steuern auf dieses Kopfgeld entrichten müsse“, fragte Vilks mit schwedischen Humor.

Dass er keine Angst habe, beteuert Vilks dieser Tage ständig. Und das könnte sogar stimmen. Denn dass Vilks seinen Namen gerne in den Medien hört und sieht, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. „Der Künstler ist immer scharf auf Publizität. Wenn er keinerlei Aufmerksamkeit bekommt, wird es auch nichts mit dem Kunstprojekt“, sagte er einmal ganz offen.

In der schwedischen Kunstwelt hat er den Ruf weg, es nur auf Provokation anzulegen – wie etwa bei seinem bekanntesten Projekt: Treibholzbauten, die er in ein Naturschutzgebiet stellte. Natürlich ohne Genehmigung, damit das auch den gewünschten Effekt hat.

Selbst Politiker wie der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad halten Vilks für einen durchgeknallten Künstler, dem man keine Beachtung schenken sollte. Dennoch ist Vilks nun der Aufstieg gelungen. Seit der Veröffentlichung seiner Mohammedzeichnung, die er übrigens für eine Ausstellung unter dem Motto „Der Hund in der Kunst“ anfertigte, steht er weltweit im Rampenlicht.

Nicht ohne Nebenwirkungen. Der 61-Jährige steht unter Polizeischutz, sein idyllisches Häuschen im südschwedischen Schonen musste er zugunsten eines Versteckes verlassen. Viele seiner öffentlichen Auftritte wurden von den Sicherheitsbeamten gestrichen. Aber das stört ihn nicht: „Der Künstler, der in der Schlussszene untergeht – das wäre einfach zu perfekt“, sagt er.

In Schweden selbst wird Vilks häufig kritisiert. So fragt ein Muslim einen anderen in einer Karikatur der Tageszeitung „SVD“, warum Lars Vilks nur ein Recht in Anspruch genommen habe, von dem er schon vorher wusste, dass er es hatte, statt seine Zeichnung am Eingang einer Koranschule in Pakistan zu montieren. Die Antwort des anderen: „Ich glaube, er wollte nur ein bisschen provozieren, mit der vollen Unterstützung des schwedischen Personenschutzes im Rücken.“ André Anwar

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