Meinung : Latein in Fußnähe

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Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG haben eine tolle Software: Man muss nur zwei Orte eingeben und schon nennt sie einem die schnellste Verbindung von A nach B. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dieses Programm bei den Beamten der Berliner Schulbehörden. Wenn sich nämlich zwei Schüler um dieselbe Schule bewerben, aber nur ein Platz vorhanden ist, entscheidet laut Gesetz die „Erreichbarkeit der Schule von der Wohnung“. Berlins Eltern haben sich längst mit dieser Absurdität abgefunden, tricksen mitunter ein bisschen mit fingierten Adressen, wie sie es ja schon bei der Wahl der Grundschule gelernt haben. Jetzt aber ist es mit der Ruhe vorbei. Denn laut neuem Schulgesetz wurde das Wohnortprinzip auch auf altsprachliche Schulen ausgedehnt. Dies aber kann nicht gut gehen, denn fünf Wochenstunden Latein plus fünf Wochenstunden Englisch überfordern alle Zehnjährigen, die nicht wegen Leistung, sondern wegen ihrer Wohnortnähe den Zuschlag bekommen haben. Der Bildungssenator sagte gestern zu, diese Fehlentscheidung rückgängig zu machen. Die BVGSoftware hat ausgedient – jedenfalls bei der Auswahl der Leistungselite. sve

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