Laura Garavini : "Ich kandidiere im Wahlkreis Europa"

Sie wirbt für die Stimmen ausgewanderter Italiener, denn sie will als Abgeordnete ins Parlament ihrer Heimat einziehen. Die Deutsch-Italienerin Garavini im Porträt.

Paul Kreiner

Die nächsten vier Wochen werden hektisch für Laura Garavini. 30 000 Kilometer hat sie vor sich. Als erste „deutsche“ Abgeordnete will sie ins italienische Parlament einziehen. Sie kandidiert, von Parteichef Walter Veltroni selbst gerufen, für den linken „Partito Democratico“ – aber sie kandidiert auf der europäischen Auslandsliste – und das heißt Wahlkampf bei den Landsleuten in Deutschland, Belgien, der Schweiz, Frankreich …

Mit Auslandsitalienern hat die 41-Jährige Erfahrung: Vor knapp 20 Jahren ist sie nach Deutschland gekommen, nicht als Gastarbeiterkind, sondern – nach dem Politologie-Studium in Bologna – „aus beruflicher und kultureller Neugier“.

Lehrbeauftragte an der Uni Kiel, Integrationsprojekte in Köln, Arbeit mit Migrantenkindern, soziale und pensionsrechtliche Beratung für ältere Landsleute, Geschäftsführerin der gewerkschaftsnahen „Union der Italiener in der Welt“ mit deutschem Sitz in Villingen, Pendlerin zwischen Berlin und Rom – Garavini war auch bisher schon dauernd auf Achse. Die noch aufwendigere Parlamentskandidatur hat sie trotzdem erst von der „Familienkonferenz“ absegnen lassen: von ihrem niedersächsischen Mann und der elfjährigen Tochter.

Politisch gesehen – wo steht die italienische Auslandsgemeinde, die deutsche beispielsweise? „Eher links“, sagt Garavini, „wegen der Antipathie gegenüber Silvio Berlusconi. Für dessen Auftritte als Regierungschef haben wir im Ausland uns jeden Tag schämen müssen.“

In der Politik ist Garavini ein ganz neues Gesicht, sie passt also perfekt zur jugendbetonten „Italien-Erneuern“-Kampagne von Parteichef Veltroni. In die Öffentlichkeit gegangen ist die sozial engagierte Frau aber schon nach dem Massaker der ’Ndrangheta von Duisburg und nach der versuchten Schutzgelderpressung von Ende 2007 in Berlin. Da stand Garavini am Anfang einer Protestbewegung: „Wenn die Mafia schon die Frechheit hat, international aufzutreten, dann müssen wir uns auch im Ausland gegen sie wehren.“

Im Herbst 2007 ereilte Garavini der Ruf aus Rom: Als einzige Auslandsitalienerin sollte sie beim Aufbau des Partito Democratico, der neuen linken Großpartei, helfen. Dass dann auch gleich Parlamentswahlen anstünden, damit allerdings hatte niemand gerechnet. „Es ging alles schon sehr schnell“, lacht Garavini. Und schnell geht es wahrscheinlich weiter: Zweiter Platz auf der Europaliste, das bedeutet einen ziemlich sicheren Posten im italienischen Abgeordnetenhaus. Paul Kreiner

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