Meinung : Laute Ruhe

Von Charles A. Landsmann

-

Endlich Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern – zumindest theoretisch. Denn anstatt dass nach dem vereinbarten Zeitpunkt die Waffen ruhten, schlugen weiterhin Kassam-Raketen auf israelischem Boden ein. Nicht nur der Islamische Jihad, auch die regierende Hamas übernahm dafür die Verantwortung.

Doch selbst wenn es sich vorläufig nur um eine Feuerpause auf Zuruf handelt: Sie ist mehr als nur ein Hoffnungsschimmer für friedlichere Zeiten. In den ersten Stunden, gar Tagen wird es zu Verletzungen der Waffenruhe kommen. Wenn Israel aber für kürzere Zeit vereinzelte Raketenattacken unbeantwortet lässt, wenn auch die Palästinenser auf einzelne Verhaftungen im Westjordanland nicht mit Gewalt reagieren, dann legen beide Seiten die Basis für längst überfällige politische Fortschritte, die mit einem Treffen zwischen Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eingeleitet werden müssen. Gerade diese beiden Politiker haben ernstes Interesse an einer anhaltenden Waffenruhe. Nichts würde ihre labile Position gegenüber internen Gegnern mehr stärken als Ruhe um den Gazastreifen.

Bleibt es ruhig, dann ist die internationale Gemeinschaft mehr denn je gefordert. Zuallererst muss sie überprüfen, ob der finanzielle Boykott der palästinensischen Regierung – ob allein von Hamas gestellt oder von dieser beherrscht – noch aufrechtzuerhalten ist. Oder ob man diese nicht besser für ihre Einsicht der Erfolgslosigkeit von Gewalt belohnen sollte.

Ohne konkrete wirtschaftliche und politische Hilfestellung aus dem Ausland wird ein Waffenstillstand nicht lange halten. Das sollte man bei allen Vorbehalten gegenüber den Islamisten und gegen Israels Überreaktionen nicht übersehen. Es gilt, beiden Völkern zu helfen und deren Führungen so lange zu begleiten, bis sie sich auf den richtigen Weg machen und auf ihm bewegen. Die Waffenruhe stellt dabei den ersten Schritt dar. Ihm müssen schnell weitere folgen. Vorsichtige zwar, denn der Weg zum Frieden ist dicht vermint. Doch Hauptsache, die Richtung stimmt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar