Meinung : Laute Umwege

Die IG-Metall-Führung schiebt die Verantwortung ab

Ursula Weidenfeld

Mit einem entschiedenen „Vielleicht“ rettet sich die IG Metall in die nächste Runde. Wieder einmal war der geschäftsführende Vorstand nicht in der Lage, die Personalquerelen an der Spitze der Gewerkschaft zu beenden. Wieder einmal vertagte er die Entscheidung. Wieder einmal um eine Woche. Nun soll also dem Gesamtvorstand vorgeschlagen werden, in der kommenden Woche einen vorgezogenen Gewerkschaftstag zu beschließen. Der Gewerkschaftstag soll nach den Vorstellungen der IG-Metall-Spitze erst einmal nur den 41-köpfigen Gesamtvorstand neu bestimmen. Und dieser Gesamtvorstand, so hoffen die Gewerkschafter, soll dann für eine neue Gewerkschaftsspitze sorgen.

Absurder geht es kaum. Als ob die Sache leichter würde, wenn man sie einem anderen Gremium zur Entscheidung vorlegt. Als ob der Riss nicht auch durch die 600 Delegierten geht, die üblicherweise zu Metall-Gewerkschaftstagen anreisen. Als ob die Sache einfacher würde, wenn die Delegierten erst einmal den gesamten Vorstand neu wählen würden, um sich danach auch für die Gewerkschaftsspitze zu entscheiden. Die vermeintlich geschickte Entscheidung, zunächst über den Umweg Gesamtvorstand das Patt in der Gewerkschaft zu beenden, ist im Grunde nichts anderes als die bedingungslose Kapitulation einer Organisation vor ihrem Führungsproblem. Denn ob und wie Jürgen Peters von einer Kampfkandidatur abgebracht werden kann, wenn ihm das Ergebnis der Vorstandswahl nicht passt, ist bisher nicht bekannt.

Offenbar ist man in der Führung der Metallgewerkschaft der Meinung, dass eine Personalentscheidung erst dann fallen kann, wenn der Leidensdruck der Organisation hoch genug ist. Solange aber Peters sich an seiner Kandidatur festbeißt, kann es keine geschlossene Entscheidung für die Spitze der IG Metall geben – egal, welches Gremium gerade um ein Votum gebeten wird. Und dass die IG Metall es in den kommenden Wochen lernen würde, auch einmal mit normalen demokratischen Mehrheitsentscheidungen zurechtzukommen, ist nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen nahezu ausgeschlossen.

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