Meinung : Lecker Würstchen

Was die CDU der SPD voraus hat: Sie ist und bleibt ein Machtverein. Allerdings hat sie, auf die absoluten Wählerzahlen geschaut, ihr Potenzial inzwischen ausgereizt.

Stephan-Andreas Casdorff

Man muss sich das so vorstellen, hat gerade ein politischer Kopf gesagt, der ungenannt bleiben will: Die SPD ist ein Würstchenstand. Da geht es nicht um Macht. Die, die kommen, sind schon zufrieden, wenn es Bier und Würstchen gibt. Und es reicht eine Wespe mit Namen Lafontaine, dass alle um sich schlagen. Die CDU ist dagegen ein Verein zur Erhaltung der Macht, einer, der alle die aufsammelt, die außerdem noch in anderen Vereinen sind, Feuerwehr-, Kegel-, Hobbyeisenbahnerverein. Und die essen dann alle Würstchen auf. Lustig, nicht?

Man kann es auch anders ausdrücken, nach einem Blick auf die Gesamtlage: Die FDP nimmt in Bezug auf die Konservativität allmählich die Stelle der CDU ein; die CDU rückt an die der SPD, wenn man die Positionsverschiebungen und die Ankündigungen der Kanzlerin zum Nennwert nimmt. Die Linke bleibt links, eine muss es ja geben, dafür rückt die SPD an die Stelle der FDP und wird sozialliberal. Alle oszillieren jeweils zwischen 15 und 25, 30 Prozent, mal mehr, mal weniger. Die spannende Frage ist: Bleibt Deutschland damit eine Partei ganz rechts erspart, eine nationalkonservative ohne NPD-Geruch? Nur am Rande: Die Liberalen hatten in ihrer Geschichte seit 1848 auch immer einen nationalen Anteil, unter Gustav Stresemann zum Beispiel.

So weit ist es noch nicht? Noch nicht. Aber dass jetzt Bewegung in die ganze Sache gekommen ist, ist unübersehbar. Und unüberhörbar, wie die zum Teil hochnervösen Bemerkungen von Politikern aller Couleur offenbaren. Dass die FDP das Thema Steuern noch einmal anzieht, dass sie ein klareres Bekenntnis der Kanzlerin zu einer schwarz-gelben Koalition nach der Bundestagswahl fordert, sind beides so Hinweise; den Freidemokraten zerrt das Merkel’sche Zögern ganz gehörig an den Nerven, fordert sie damit auch heraus.

Was die CDU-Chefin aber tunlichst lassen sollte, wenn sie denn Kanzlerin bleiben will. Denn die FDP ist klar in ihrem Kurs, und mit jedem Tag, den die Kanzlerin ihren der bewussten Verunklarung weiter verfolgt, wird die FDP nicht nur stärker, sondern das auch noch auf Kosten der Union. Das belegen die jüngsten Wahlen.

Mehr noch: Die Union hat, auf die absoluten Wählerzahlen geschaut, ihr Potenzial ausgereizt. Da müsste jetzt echt noch etwas Neues kommen, um auch neue Stimmen einzusammeln. Dem allerdings hat Merkel ja eine Absage erteilt. Mit neuen Männern in den Ländern kann sie auch nicht dienen, weil die sich an der (verlorenenen) Macht festhalten. Aber so ist es in der CDU, sie ist und bleibt ein Machtverein.

Womit wir wieder bei den Würstchen wären und bei der SPD. Die hält fröhliche Schwätzchen und merkt nicht, was hinter ihrem Rücken geschieht. Sie hat dazu noch immer keine rechte Vorstellung davon, dass sich im Verein jetzt doch viel mehr erreichen ließe. Da ist die FDP anders, die CDU auch. Die nimmt der SPD einfach alle Themen weg und die Möglichkeiten, sich über ihren Stand hinaus auszudehnen. Na dann: prost.

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