Meinung : Lehrerausbildung benötigt Zeit und Geld

„Pädagogen mit Rechenschwäche“

von Tilmann Warnecke und

„Internationaler Lehrer-Vergleich / Drei plus“ von Amory Burchardt vom 16. April

Im internationalen Vergleich zeigen nur die angehenden Gymnasiallehrer ein solides fachliches Können, während der große Rest der deutschen Mathelehrer kaum bis Drei zählen kann. Eine Überraschung ist das Ergebnis der jüngst veröffentlichen Studie für mich nicht und es trifft keineswegs nur auf das Fach Mathematik zu. Als Insiderin wage ich sogar die Prognose, dass die kollektive Verblödung der Lehrerschaft bald auch am Gymnasium angekommen sein wird.

Zumindest die Berliner Schulpolitik forciert ja eine solche Entwicklung: Hier zählt das Fachwissen von Lehrkräften schon längst nicht mehr als wichtiges Qualitätskriterium, gefördert werden Schmalspurausbildungen (wie für das Fach Ethik) oder Trainingseinheiten in der Technik, unspezifische Befindlichkeiten abzufragen anstatt fundiertes Wissen zu vermitteln.

Vor diesem Hintergrund bleibt fraglich, ob Berlins Antwort auf die Studie in der einzig richtigen Reaktion bestehen wird, das fachwissenschaftliche Niveau in der Lehrerbildung anzuheben.

Renate Plumbaum, Berlin-Zehlendorf

Unter Mathematikern und Mathematikdidaktikern herrscht seit langem Konsens, dass zukünftige Lehrerinnen und Lehrer nur unzureichend in Mathematik und in der Fachdidaktik Mathematik ausgebildet werden. Wir, die für die universitäre Ausbildung zuständigen Personen, würden diese Situation gerne ändern, nur lassen die politischen Vorgaben durch die Bildungsministerien dies nicht zu.

Eine gute Ausbildung benötigt Zeit: Für die Ausbildung von Grundschullehrern sind, je nach Bundesland, teilweise nur sieben Semester vorgesehen. In diesen müssen sie nicht nur Mathematik, sondern auch alle anderen Fächer (Klassenlehrerprinzip!) plus Pädagogik lernen.

Und eine gute Ausbildung benötigt Geld: Einsparungen an den Hochschulen sorgen oft dafür, dass fachdidaktische Professuren eingespart werden (müssen), so dass die Mathematikausbildung nicht in schulpraxisrelevanter Form durchgeführt werden kann. Zudem müssen Lehrer angemessen entlohnt werden. Absolventen mit guten Mathematikkenntnissen haben schon jeher auf dem Arbeitsmarkt beste Chancen haben. Darum ist die Berufswahl „Lehrer“ bei der derzeitigen Bezahlung für sie nicht attraktiv. Hier ist auch nicht einzusehen, weshalb Grundschulpädagogen schlechter bezahlt werden als Gymnasiallehrer.

Der dringend notwendige Qualitätsschub für die Lehramtsausbildung ist jedenfalls ohne die entsprechende Weichenstellung auf politischer Ebene nicht zu erreichen.

Prof. Dr. Ulrich Kortenkamp, Institut für Mathematik und Informatik,

Pädagogische Hochschule Karlsruhe

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