Meinung : Leicht angereichert

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Die westliche Öffentlichkeit ist unsicher, wie sie das Angebot an Iran bewerten soll. Die Stimmung schwankt zwischen Panik am Wochenende und Hoffnung am Dienstag, als EU-Vertreter Javier Solana Teheran besuchte. Die Mullahs haben ein Interesse, dass das so bleibt. Eine kleine Drohung genügt, um den Ölpreis hoch zu treiben; zwei bis drei Dollar mehr pro Barrel spülen täglich Millionen zusätzlich in Teherans Kassen. Zudem eröffnet eine instabile Gemütslage im Westen Iran die Gelegenheit, weitere Zugeständnisse zu verlangen. Also werden die Mullahs sich Zeit lassen mit ihrer Antwort. Im Kern geht es ihnen weder um Ersatzteile für veraltete Boeing- und Airbus-Jets noch um die Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO, den Beipack nehmen sie natürlich gerne mit. Im Kern steht das Recht auf Urananreicherung. Iran beharrt darauf, die USA schließen es derzeit aus. Ein möglicher Kompromiss: leichte Anreicherung ja, aber keine hohe, wie man sie für Bomben braucht. Iran kann warten. Die USA werden wohl auch bei dieser Prinzipienfrage nachgeben müssen, um ihre breite Koalition zusammenzuhalten. Genau diese Dynamik hatten die Skeptiker gefürchtet. cvm

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