• LEICHTS Sinn: Der Glaube mag Berge versetzen … … aber keine echten wissenschaftlichen Erkenntnisse!

LEICHTS Sinn : Der Glaube mag Berge versetzen … … aber keine echten wissenschaftlichen Erkenntnisse!

Robert Leicht

Worauf wollte die hessische Kultusministerin Karin Wolff mit ihren Vorstößen zum Biologieunterricht eigentlich hinaus? Sie stellt die Evolutionslehre nicht infrage, will aber dennoch die biblische Schöpfungslehre auch im Biologieunterricht thematisiert sehen, damit die armen Kinderlein nicht verwirrt werden, wenn ihnen in „Bio“ die Evolutionstheorie zu lernen aufgegeben wird, in „Reli“ aber der Schöpfungsbericht aus dem 1. Buch Mose. Müsste Frau Wolff dann nicht auch aus Gründen der Parität verlangen, dass auch im Religionsunterricht die Evolutionslehre thematisiert wird?

Das würde allerdings die Religionslehrer in der Regel fachlich nicht weniger überfordern, als umgekehrt die Biologielehrer, für welche die Lektüre und (zutreffende) Interpretation biblischer Texte eine ungewohnte Herausforderung sein dürfte. Ganz abgesehen davon, dass der weltanschaulich neutrale Staat von den Religionslehrern zwar gründliches Wissen verlangen muss, von den Biolehrern aber keinen gegründeten christlichen Glauben verlangen darf.

Erstens: Der Unterricht an staatlichen (und an den staatlich anerkannten) Schulen hat sich fachlich allein an den höchsten Standards der jeweiligen Wissenschaft zu orientieren. Der Staat hat weder voraufklärerischen noch ideologischen Mummenschanz zu dulden oder gar zu fördern. Zu einem wissenschaftlichen Unterricht gehört freilich auch die kritische Selbstreflexion der jeweiligen Wissenschaft. Das fängt an mit Karl Poppers Ermahnung, nur solche Sätze als wissenschaftliche Sätze zuzulassen, die sich nicht gegen eine wissenschaftlich-kritische Widerlegung sperren, und setzt sich fort im durchaus philosophischen Nachdenken über Sinn und Verantwortung der Wissenschaft. Bezogen auf die Evolutionstheorie heißt dies: Sie ist als die derzeitig anerkannte und nicht widerlegte Einschätzung so lange zu lehren, bis sie durch wissenschaftlich bessere Erkenntnis überholt wird. Wem dies aus religiösen Gründen nicht behagt, hat dies mit seiner Religion, nicht aber mit den staatlichen Unterrichtsplänen auszumachen. Den Biologen geht es darin nicht anders als den Physikern: Die geltende Hypothese von heute kann der Irrtum von morgen sein…

Zweitens: Weder lebt der christliche Glaube vom Widerspruch zur selbstkritischen Wissenschaft noch fristet er ein kümmerliches Dasein in den schrumpfenden Lücken ihrer Erkenntnis. Christlicher Glaube hebt das, was man vernünftigerweise wissen kann, nicht aus den Angeln, sondern er interpretiert das Ganze des Wissens für mich – für mein Leben und Sterben. Das aber ist eine höchstpersönliche Angelegenheit und kein Gegenstand staatlicher Anordnung. Der Christ ist überdies wissenschaftlich keineswegs blind gegenüber den Urkunden seines Glaubens, im Gegenteil: Er liest den biblischen Schöpfungsbericht, gerade nicht als vermeintlich wissenschaftlichen Augenzeugenreport über Vorgänge vor Milliarden von Jahren, sondern als einen deutenden Abschnitt aus der fortwährenden „Beziehungskiste“ zwischen Gott und seinen Geschöpfen, also auch den Menschen – nicht um Wissen zu widerlegen, sondern um Wissen zu verstehen. Oder anders ausgedrückt: Nicht des Wissens über Fakten wegen, sondern um der Gewissheit seines Lebenssinnes willen – die ihm der staatliche Biologieunterricht weder geben noch nehmen kann.

So gesehen kann man sich die ganze Aufregung sparen. Was wären das für Theologen und Christen, die Angst vor der zeitgenössischen Wissenschaft haben? Und erst recht: Seit wann lassen sich Wissenschaftler von ein paar echt fundamentalistischen Kreationisten ins Bockshorn jagen. Trauen sie ihren Erkenntnissen so wenig Durchschlagskraft zu?

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