LEICHTS Sinn : Studiengebühren können intelligent sein …

… und einige andere Vorschläge durchaus dumm.

Robert Leicht

Sie kennen also nicht Ihren IQ? Das ist aber dumm! Ein hoher Intelligenzquotient kann nämlich bares Geld wert sein, siehe unten. Aber erst einige Bemerkungen zu einer Idee, die neulich durch die Blätter geisterte. Und zwar wurde vorgeschlagen, denjenigen Studenten, die von einer Hochbegabtenstiftung gefördert werden (also von der Studienstiftung des deutschen Volkes, der Konrad-Adenauer-, der Friedrich- Ebert-Stiftung etc.pp.) die Studiengebühren zu erlassen. Klingt ja irgendwie logisch: Wer hat, dem wird gegeben. Ist aber Blödsinn – und zwar aus mehreren Gründen.

Zunächst einmal käme eine solche Regelung gar nicht so sehr den betreffenden Studenten zugute, sondern sie würde in erster Linie die auf den ersten Blick privaten, in Wirklichkeit aber weithin mit staatlichem Geld finanzierten Förderungswerke entlasten, die diese Gebühren ja im Bedarfsfalle eigentlich übernehmen müssten. Anders ausgedrückt: Würde man diese Idee nicht verwirklichen, müssten die den Staat an sich entlastenden Studiengebühren – indirekt vom Staat selber aufgebracht werden; und zwar dann doch wohl so, dass künftig weniger Hochbegabte gefördert werden können, weil der Staat seine Zuschüsse an die Förderungswerke kaum in dem Maße erhöhen dürfte, in dem er sie wegen der Studiengebühren ihrer Schäfchen zur Kasse bittet.

Viel wichtiger ist aber ein anderer Grund, der im Übrigen anzeigt, dass die Sache mit den Studiengebühren sowieso völlig verkorkst angelegt wurde. Wirklich sinnvoll wären sie ja nicht als zusätzliche pauschale Einnahmequelle für die Hochschulen – zumal dann nicht, wenn der Staat im Gegenzug seine Zuschüsse in Höhe der eingenommenen Studiengebühren kürzen sollte. Sondern einen richtigen Sinn ergeben echte Studiengebühren nur als Steuerungsinstrument eines Wettbewerbs zwischen Studenten und Hochschulen: Der Student entscheidet zu welcher – natürlich möglichst besten – Hochschule er geht und wo er seine Studiengebühren abliefert; die Hochschule entscheidet wiederum, welche – natürlich möglichst besten – Studenten sie annimmt oder anwirbt. Am Ende eines solchen Prozesses gehen immer bessere und immer mehr Studenten zu immer mehr guten Hochschulen.

Es versteht sich, dass ein solches Projekt einen nationalen Kreditfonds voraussetzt, der es jedem Studenten unabhängig von seinem sozialen Status erlaubt, zunächst die Studiengebühren aufzubringen, um sie später, sofern er ein Einkommen erzielt, in mäßigen Raten zu tilgen. (Übrigens alles schon gehabt: Mein Schwager musste Mitte der 60er Jahre, nachdem er eine Verbeamtung nach A 12/13 erreicht hatte, für eine Weile von seinem Monatseinkommen von 1400 Mark 50 Mark nach dem Honnefer Modell zurückzahlen. Geht doch!)

Wollte man nun aber gerade den besten der Studenten die Studiengebühren erlassen, würde man dieses einzig sinnvolle Modell geradezu mittschiffs torpedieren. Ausgerechnet die Hochbegabten würden ihrer materiell für die Hochschulen spürbaren „Marktmacht“ beraubt! Und nun kommt auch noch die Sache mit dem IQ! Die Universitäten Konstanz und Freiburg wollen allen Studenten, die einen IQ von mindestens 130 nachweisen, die Studiengebühren für drei Semester erlassen. Abgesehen davon, dass ein IQ allein weder ein Indikator für hohe Begabung ist noch dafür, dass man es mit einem „guten“ Studenten zu tun hat: Zu Ende gedacht, würde dies bedeuten, dass Unis mit einem extrem hohen Anteil „dummer“ Studenten reicher sind als Hochschulen, die von „intelligenten“ Leuten (IQ > 129) überrannt werden und folglich ihr bisheriges Unterrichtsniveau nicht mehr voll finanzieren können. So etwas kann sich nur ein törichter Planer (IQ 80) ausdenken!

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