LEICHTS Sinn : Von der Ziffer zur Chiffre

Wieviel bleiben von 25 Prozent Rendite wirklich übrig? Die Polemik gegen Josef Ackermann ist allzu billig.

Robert Leicht

Natürlich muss man im politischen Streit die Dinge immer wieder zuspitzen. Allerdings werden dabei komplizierte politische Sachverhalte gern zur Unkenntlichkeit verzerrt. Besonders problematisch werden solche Zuspitzungen, wenn man objektive Gegebenheiten primitiv personalisiert und folglich real existierende Personen, mit all ihren Stärken und Schwächen, zu dummen und bösen Chiffren verkürzt. Dabei sollte der Verkürzer nur wissen, dass das wenig intelligente und potenziell bösartig wirkende Vorgehen durchaus auf seiner Seite liegen kann.

Man sieht sofort: Es geht um die (Un-)Sitte, sich Josef Ackermann von der Deutschen Bank als Gottseibeiuns der Gier und Watschenmann des Kapitalismus auszusuchen, weil er seinem Unternehmen das Ziel gesetzt hat, eine Rendite von 25 Prozent auf das Eigenkapital zu erwirtschaften. Eine Ziffer, eine Chiffre – pfui!

Und schon ist der Mann moralisch fertig gemacht, zuletzt vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering, der – ich mag ihn eigentlich persönlich – schon deshalb als Zuspitzer in Person wirkt, weil er sich differenzierte Sätze gar nicht mehr genehmigt. Aber zurück zu Ackermann: Ich will ihn gar nicht rundum verteidigen – sondern habe nur etwas gegen Rundumschläge, auch gegen ihn.

Nun denn: 25 Prozente Rendite aufs Eigenkapital! Wer genau hinhörte, musste merken, dass Ackermann von einer Rendite vor Steuern sprach. Davon gehen also erst einmal ab: Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer, Soli – macht bei Frankfurter Hebesätzen zusammen 32 Prozent des Gewinns, wodurch erst einmal eine Rendite von 17 Prozent nach Steuern im Unternehmen übrig bleibt.

Und wenn man einmal, stark vereinfachend annähme, dass dieser Gewinn brutto für netto an die Aktionäre, also die eigentlichen Kapitalisten, ausgeschüttet würde, wären dann noch einmal 25 Prozent Abgeltungssteuer abzuziehen, so dass beim „Kapitalisten“ 12,75 Prozent Rendite aufs Eigenkapital ankämen, auch nicht zu wenig, wenngleich risikobehaftet, aber eben die Hälfte der angeblich „obszönen“ 25 Prozent. Verblüffenderweise entspricht dies gerade ziemlich genau der Dividendenrendite von 11 Prozent, die der Kurszettel vom vorigen Freitag ausweist. Doch das ist ein Zufall, nicht nur angesichts der schwankenden Kurse …

Aber immerhin: Die Hälfte des Vorsteuergewinns am Ende in der Staatskasse: Man kann man sich fragen, was Politiker eigentlich gegen hohe Gewinne haben. Woher, wenn nicht von diesen, wollen sie Unternehmen und Aktionäre besteuern – da sie doch auf Steuern angewiesen sind wie selten zuvor?

Ein Weiteres kommt hinzu: Eine anscheinend hohe Eigenkapitalrendite kann ihre Ursache auch darin haben, dass ein Unternehmen über sehr wenig Eigenkapital verfügt, wie dies (der eigentlich berechtigte Kritikpunkt!) bei unseren Banken notorisch der Fall ist. Dann aber brauchen sie aus eben diesem Grund eine auf den ersten Blick relativ hoch wirkende Eigenkapitalrendite, um Rücklagen bedienen und Rückschläge wegstecken zu können.

Und wenn man Ackermanns wie immer kritisch zu betrachtendes Wirken unter dem Gesichtspunkt betrachtet, welche unserer Banken die gegenwärtigen Rückschläge noch am besten auffangen können, dann muss man zugeben: Sein Haus steht noch am günstigsten da. Aber auch das nimmt man ihm übel, wenn er darauf – nicht ohne Recht – auch noch stolz ist.

Wie gesagt: Der klischeehaften Verdammung Ackermanns soll hier keine schönfärberische Seligsprechung entgegengesetzt werden. Aber die im politischen Diskurs gebräuchliche Verdummung von Ziffern zu Chiffren erregt langsam meinen Zorn, vor allem, wenn sie – wenig informiert oder regelrecht irreführend – mit einem moralisierenden Anspruch vorgetragen wird.

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