LEICHTS Sinn : Die Post ist da? Trara!

Die Post ist ein Hybrid: Sie ist ein bürokratisches Serviceunternehmen. Ein Erfahrungsbericht

Robert Leicht

Die Deutsche Post hat sich in jüngster Zeit ja selber ins Gerede gebracht – zum Beispiel mit ihrer Reduktion der Zustellung von Briefen am Montag. Soll aber alles nur ein Experiment gewesen sein. Dass die Post gegenwärtig (noch) eine Art Hybrid aus bürokratischem Staatsbetrieb und scharf kostenstreichenden Privatunternehmen ist und dass in dieser Kombination von beiden Elementen nicht nur die jeweils vorteilhaften Züge zum Vorschein kommen, das möchte ich gleich an einem Vorteil zeigen, der sich nun zum zweiten Mal zutrug, also kein Zufall gewesen sein kann.

Zuvor noch ein kleiner Hinweis: Auf dem Brief eines Versicherers las ich jüngst den Hinweis, ich sollte jede Adressenänderung pünktlich anzeigen, denn die Post habe angekündigt, künftig würden unzustellbare Sendungen nicht mehr an den Absender zurückgeschickt – sondern kommentarlos „entsorgt“; spart natürlich Kosten – nur dass eben weder Absender noch gedachter Empfänger etwas von der misslungen Kommunikation ahnen. Bei den blöden Werbesendungen, die die Post meinetwegen schon vor dem Transport entsorgen könnte, mag das ja egal sein – jedoch bei wichtigen Sendungen wird ein Problem draus.

Nun aber zu dem akuten Vorfall. Wir wohnen, und das seit 23 Jahren, in der Prosecco- Straße 5 (Name von der Redaktion geändert) – einer Straße mit gerade 26 Hausnummern. Jemand schrieb uns aus den Ferien – und versehentlich aufs Couvert die Hausnummer 8; jenes Haus liegt uns unmittelbar gegenüber. Was macht nun der Postbote, der schon seit gut 20 Jahren diese Straße bedient und uns natürlich kennt? Er schickt die Sendung als unzustellbar zurück, nach Dänemark. Und dies, obwohl er doch genau wusste, in welchen Kasten sie gehörte, und obwohl er erst nach der Nummer 8 bei der Nummer 5 vorbeikommt, also nicht einmal hätte einen Umweg machen müssen.

Als ich ihn freundlich zur Rede stellte ob dieser Absonderlichkeit, sagte er mir – nun schon zum zweiten Mal: Sie seien ja jetzt ein Serviceunternehmen und hätten die Anweisung, solche fehladressierten Briefe an die Absender zurückzuschicken, und zwar, damit diese lernten, künftig richtig zu adressieren. Und auf die Frage, was denn ihm passieren könnte, wenn er uns den Brief gleichwohl richtig zustellen würde, da ich ihn ja ob dieses Services nicht zu verpetzen gedächte: „Eigentlich nichts!“ Aber Vorschrift ist eben Vorschrift.

In dem Fall muss man sich angesichts der geballten Absurdität an den Kopf fassen; auch angesichts der arrogant erziehungsbürokratischen Attitüde, die zudem noch kostenträchtig ist. Ob er sich nicht darüber im Klaren sei, dass es für sein nur auf Privatwirtschaft frisiertes Unternehmen viel billiger gewesen wäre, den Brief schnell rüberzutragen, anstatt ihn ins Ausland zurückzuschicken? Das sei ihm egal: Vorschrift sei halt Vorschrift.

Offenbar sind Mentalitätswechsel aus dem bürokratischen Gehäuse heraus nur in Generationen zu bewältigen. Die gute alte Post war auf ihre Weise eine prima Sache, wenn auch vielleicht unbezahlbar – ein modernes Serviceunternehmen wäre klasse; aber zwischendrin kommt es mitunter zum absurden Theater. Wenn das noch einmal passiert, dann wehre ich mich gesteigerter Absurdität: Ich schicke 25 Briefe an Robert Leicht, Prosecco-Straße, jeweils von 1-4 und von 6-26, natürlich mit richtigem Absender. Und dann muss der Postbote sie alle zu mir in die Nummer 5 zurückbringen – als unzustellbar. Vorschrift ist nämlich Vorschrift.

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