LEICHTS Sinn : Die unechte Beichte Guttenbergs verräterisch unpräzise Sprache

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W enn man die Causa Guttenberg etwas tiefgründiger verstehen will, kann man die Geschichte einmal mit dem Beichtspiegel in der Hand durchbuchstabieren.

Zu einer vollständigen Lossprechung von Sünden, also auch zur Rückkehr in den vorigen Stand (man könnte auch in weiträumiger Übertragung sagen: zum Bleiben im bisherigen Amt) gehörte für den Katholiken Guttenberg nach der alten Lehre an erster Stelle die Erkenntnis der eigenen Schuld; dies ist freilich mehr als die bloße Einschätzung: „dumm gelaufen“. Sodann wird die contritio cordis verlangt, die „Zerknirschung des Herzens“; also nicht nur der Kommentar „Tut mir leid“. Dann hätte zu folgen die confessio oris, das umfassende und genaue Aussprechen der Schuld; also nicht nur die pauschale Mitteilung: „viele Fehler“. Vor der endgültigen Absolution hat dann noch die Genugtuung zu erfolgen, die satisfactio operum – also eine ausgleichende Tat oder Leistung (oder ein Verzicht), woran sich auch die Ernsthaftigkeit der Reue ablesen lässt.

Nun ist die fromme Beichte um einiges persönlicher und tiefsinniger (und zudem diskreter) als die Rechtfertigung im politischen Kampf. Aber man kann dennoch aus dem Beichtspiegel etwas lernen für die Frage, wie ernst es Karl Theodor von und zu Guttenberg ist mit seinen Erklärungen zu den Plagiaten in seiner Doktorarbeit, vor allem, wenn man seine Erklärungen genauer nachliest. Dann findet man nämlich in seiner verräterisch unpräzise wackelnden Sprache viele Anhaltspunkte dafür, dass er noch nicht an dem Punkt angekommen ist, wo ihm die Sache wirklich unter die Haut geht und man von einer echten contritio cordis oder einer vollständigen confessio oris, geschweige denn von einer satisfactio operum reden könnte.

Wenn Guttenberg zum Beispiel sagt, er habe niemals „bewusst getäuscht“ – weshalb sagt er dann nicht einfach: „Ich habe nicht getäuscht“? Doch wohl deshalb, weil er zwar ahnt, dass er diesen Satz so nie aussprechen könnte – diesen Sachverhalt aber nicht zugeben will, vielleicht nicht einmal vor sich selbst. Sodann die unnötig aufgeblasenen Superlative: Guttenberg sagte zum Beispiel, er habe seine Doktorarbeit in „mühevollster Kleinarbeit“ angefertigt. Warum reicht da nicht das Wörtlein mühevoll aus? Wenn er aber schon von mühevoller Kleinarbeit sprechen will, dann gehörte zu dem Begriff, der ja Exaktheit anzeigen will, genau das, was seiner Doktorarbeit fehlt – nämlich die wissenschaftsmethodische Kleinarbeit. Hinzu kommen die falschen Betonungen: Er wolle daran mitwirken, festzustellen, ob „ein wissenschaftliches, ich betone: ein wissenschaftliches Fehlverhalten“ vorliege, und er werde „vorübergehend, ich betone: vorübergehend“ auf das Führen des Doktortitels verzichten. Jeder weiß inzwischen, dass diese Betonungen exakt den falschen Ton trafen.

Wie auch die falsch betonte Inanspruchnahme der Kardinaltugenden: Wenn jemand von „der mir abgesprochenen Demut“ redet, müsste er erst einmal kenntlich machen, worin denn seine Demut tätig wurde, wenn er nicht lieber gleich auf diese Selbstzuschreibung verzichten will, denn gerade ein demütiger Mensch würde sich selber nie als solcher bezeichnen. Und schließlich die Aussage, er habe sich „von Herzen“ für seine Fehler entschuldigt: Es kann sich halt niemand selber entschuldigen, sondern nur den Verletzten um Entschuldigung bitten; dann müsste er sich aber eben an alle Personen, die er verletzt hat, direkt wenden. Bevor die sich aber in diesem Sinne nicht geäußert haben, kann sich niemand selber als entschuldigt bezeichnen.

Man spürt die Absicht und ist verstimmt: Hier geht es jemandem nicht darum, seine Sünden loszuwerden, sondern sein Amt zu behalten.

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