• LEICHTS Sinn: Kommunismus – vielleicht im Himmel Privateigentum gibt es dort dann nicht mehr

LEICHTS Sinn : Kommunismus – vielleicht im Himmel Privateigentum gibt es dort dann nicht mehr

von

Gewiss will ich nicht von Gesine Lötzsch und ihrer Partei regiert werden. Ich möchte auch nicht mit ihren Genossen die Pfade zum Kommunismus erkunden. Doch die zweckhaft-hysterische Aufregung über das bloße Reizwort Kommunismus ist, gerade geschichtlich gesehen, recht kurzsichtig.

Schlage ich nämlich in meiner Bibel die Apostelgeschichte des Lukas auf, lese ich im zweiten und vierten Kapitel: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, das sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Jeder der einen Acker hatte, verkaufte diesen und brachte den Erlös in die Gemeinschaft ein. Wer sich nicht daran hielt, den konnte eine schreckliche Sanktion treffen. Hananias nämlich behielt heimlich einen Teil des Erlöses für sich. Als er dafür von Petrus, nach römisch-katholischer Lesart immerhin der erste Papst, gerügt wurde, heißt es: „Als Hananias diese Worte hörte, fiel er zu Boden und gab den Geist auf.“ Seiner Frau respektive Witwe ging es gleich darauf nicht besser.

Mindestens also die Vertreter der christlichen Parteien sollten wissen, dass ihre Kirchen ursprünglich aus einer kommunistischen Urgemeinde hervorgingen. Nahezu alle Utopien erkennen im Privateigentum die Wurzel fast aller gesellschaftlichen Übel. Schon Platon plädierte in seinem Diskurs über den Staat (sprich: die Gerechtigkeit) für das Gemeineigentum im weitesten Sinne; vielleicht hatte der griechisch gebildete Autor Lukas nicht nur seinen Jesus gekannt, sondern auch seinen Platon gelesen? Auch Thomas Morus steht mit seiner Utopia in dieser Linie. Und selbst der frühliberale John Locke lässt die Übel der Welt in dem Augenblick einsetzen, in dem das Geld in die reine Tausch- und Subsistenzwirtschaft eingeführt wird – und damit die Möglichkeit, anstelle schnell verderblicher notwendiger Lebensmittel unbegrenzt haltbare unnötige Vermögenswerte anzuhäufen.

Schaut man sich in der Gegenwart um, von der Finanzmarktspekulation über den jüngsten Dioxinskandal bis zu den Ausläufern der Affäre um die Bayern LB, kommt einem die Zurückführung vieler gesellschaftlicher Missstände auf den Aneignungstrieb der Menschen (Gier ist geil!) nicht mehr so abwegig vor. Jedenfalls sieht man die Schattenseiten der primitiv-liberalen Aneignungsparolen (Enrichessez vous! – Leistung muss sich wieder lohnen!) und die Naivität des Glaubens in die „verdeckte Hand“ des Adam Smith in diesem Gegenlicht etwas deutlicher.

Warum dann aber doch lieber keinen Kommunismus, trotz dessen Verwurzelung im utopischen Denken der Menschheit? Wenn die Übel der Eigentums-Wirtschaft auf die schlechte Natur des Menschen zurückzuführen sind, dann ändert sich die Natur des Menschen eben nicht allein dadurch, dass man die Wirtschaftsverhältnisse ändert. Das Böse sucht sich dann nur andere Ausdrucksweisen und Korruptionsformen. Und deswegen haben wir eben nicht zwischen unterschiedlichen idealen Weltentwürfen zu wählen, sondern jene Lebensform zu finden, in der nach historischer Erfahrung und nüchterner Einschätzung die Grundschwächen des Menschengeschlechts sich am wenigsten gegen die einzelnen Menschen und deren natürliche Rechte wenden. Daher: Bloß keine Utopien in den Alltag zwingen – aber umgekehrt auch nie vom gegenwärtigen Alltag behaupten, wir lebten längst in einer idealen Welt.

Um noch einmal Platons Dialog über den idealen Staat – sowohl für Frau Lötzsch als auch für deren Verächter – zu zitieren: „Auf Erden“, so Glaukon, „findet er sich, glaube ich, nirgends.“ Darauf Sokrates: „Aber im Himmel ist er vielleicht als Muster hingestellt für den, der ihn anschauen und gemäß dem Erschauten sein eigenes Innere gestalten will.“

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar