Meinung : Lenin in den Wolken

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So muss das sein in einer richtigen Linkspartei: Die Spitzenfunktionäre in der Zentrale beschließen den Kurs. Und wenn die „Gliederungen“ nicht folgen, dann setzt es „Ordnungsmaßnahmen“. Das erfahren derzeit die renitenten Truppen der WASG in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Der Machtkampf dreht sich um die Frage, wie nah sich bundesrepublikanische Linke und PDS kommen können. Dass es die bundesrepublikanischen Linken sind, die in dem Konflikt die reine Lehre vertreten, liegt auf der Hand – die PDS hat schließlich 40 Jahre Erfahrung mit dem realen Sozialismus hinter sich. Da wird man im Umgang mit den Grundsätzen pragmatischer und weiß, dass ein paar Mandate im Bundestag viel mehr wert sind als ein feines Programm. Wohin der Hader zwischen Bundes- und Landeskadern führen wird, ist unklar. Möglicherweise schadet er den beiden PDS-Linkspartei-Landesverbänden, wenn die in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Wahlkampf machen wollen. Die werden dann nicht bloß die gewohnte konservative Kritik zu parieren haben (von wegen SED, Stasi, verbrauchte Ideen), sondern auch kesse Angriffe von links: Es hat ja was, den ernst und brav mitregierenden Softsozialisten in Berlin „neoliberale Politik“ vorzuwerfen. Ob der Kader-Hader auch dem „Projekt Linkspartei“ schadet oder gar die linke Fraktion im Bundestag gefährdet, das weiß nur der alte Lenin auf seiner Wolke. Zweierlei zeigt sich mal wieder: So ein Linksparteiprojekt ist eine Jahrtausendaufgabe. Und in der deutschen Politik hat man noch Träume. wvb.

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