Meinung : Lernen – unter Aufsicht

IN MAZEDONIEN SIEGT DIE DEMOKRATIE

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Wer hätte vor einem Jahr vorhergesehen, welchen Weg Mazedonien einschlagen würde: Mit 70 Prozent Wahlbeteiligung und einem klaren Sieg für die Sozialdemokraten – 41 Prozent, von denen die deutsche SPD träumt – vollzog das kleine Land, das letztes Jahr an der Kippe zum Bürgerkrieg stand, die Wende von der eher ethnisch orientierten Politik zur Demokratie. Branko Crvenkovski, der neue Premier, blickt auf eine Vergangenheit als kommunistischer Funktionär, Ali Ahmeti, der Wahlsieger der albanischen Bevölkerung Mazedoniens, war noch letztes Jahr ein Rebell in den Bergen. Beide schwören nun auf Demokratie, Versöhnung zwischen Slawen und Albanern und das Ende der Korruption. Mazedoniens „demokratischste Wahl seit der Gründung des Landes“, wie der scheidende Ljubco Georgievski freimütig einräumte, ist auch ein Verdienst der internationalen Gemeinschaft. Sie griff letztes Jahr mit Friedenstruppen ein, als die Unruhe zu eskalieren begann. Und rund 800 OSZE-Beobachter, so viele wie noch in keiner Aktion zuvor, begleiteten dieses Mal Wahlkampf und Wahlen. Dass der Bürgerkrieg abgewendet wurde, führen manche Experten zudem darauf zurück, dass es das Völkerrechts-Tribunal in Den Haag gibt. Wer Landsleute vertreibt und ethnische Verbrechen begeht, muss das Internationale Gericht mittlerweile fürchten. Wie zunächst im Kosovo, entschieden sich Mazedoniens Albaner für einen Ex-Rebellen – für Ali Ahmeti statt für Arben Xhaferi. Doch auch da kann sich das Blatt, wie im Kosovo, noch wenden. Mazedonien ist als Staat erst elf Jahre alt – und lernt. cf

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