Lernmittelfreiheit in Berlin : Lesen wird billiger

Berlins Schulen haben viele Sorgen. Wer sie bitten würde, ihre Nöte aufzuschreiben, bekäme einiges zu lesen: Es fehlt an Hausmeistern, Sekretärinnen, Fachlehrern, Bibliothekaren, an Transparenz und Kontinuität; an Geld für Geräte und Kopierpapier und, und, und.

Susanne Vieth-Entus

Zu den wenigen Themen, die seit ein paar Jahren kaum jemanden aufregen, gehört die Abschaffung der Lernmittelfreiheit: Längst haben sich die Eltern daran gewöhnt, dass sie rund 50 Euro pro Jahr in Schulfonds einzahlen, mit denen die Rektoren dann alles Notwendige kaufen. Rund 40 Prozent der Familien müssen gar nichts zahlen, sondern bekommen die Bücher vom Land gestellt. Berlin hat so rund zehn Millionen Euro pro Jahr gespart. Warum nur fällt der SPD gerade jetzt ein, dass man daran etwas ändern sollte? Rechnet sie vielleicht mit Steuermehreinnahmen? Oder ist das ihre Art, den Weggang des Sparmeisters Thilo Sarrazin zu feiern? Oder ist es ihre Überzeugung, dass Bildung kostenlos sein soll und Schulbücher erst recht? Letzteres würde einleuchten, aber diese Überzeugung hätte auch schon vor sechs Jahren da sein müssen. Die richtige Antwort ist viel einfacher: Es ist Wahlkampf.

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