Leserbriefe : Abgeschnittene Zukunftschancen

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Zur Berichterstattung über den Elitewettbewerb der deutschen Universitäten

Ganz so unpolitisch ist die Entscheidung nicht, dass keine Berliner Uni zu den drei ausgezeichneten gehört. Es ist schon mitentscheidend, mit welchen Wettbewerbsvor- oder Nachteilen man in ein solches Rennen geht. So, wie insbesondere auch die Freie Universität in den letzten Jahren finanziell durch den Berliner Senat stranguliert und in etlichen Bereichen kaputtgespart wurde, zeigt die Tatsache, dass diese Uni trotzdem in die engere Auswahl gekommen ist, deren hochrangiges wissenschaftliches Niveau.

Bernhard H. Behrens, Berlin-Spandau

Nach rein wissenschaftsgeleiteten Kriterien werden Eliteuniversitäten nicht gekürt. Die professoralen Wissenschaftsmanager „mit dem zu großen Ego“, die jetzt die Minister überfahren haben, sollten einmal selbstkritisch nach ihrer politischen Rolle und Legitimation fragen. Es waren nicht sie, sondern die frühere rot-grüne Bundesregierung, die den Elitewettbewerb angestoßen und durchgesetzt hat. Es war die konservative bayerische Staatsregierung, die seit Jahren die wissenschaftliche Schwerpunktbildung und Ausstattung der beiden jetzt erfolgreichen Münchner Universitäten massiv unterstützt hat. Dies geschah übrigens zu Lasten der anderen bayerischen Universitäten, zu Lasten von bestimmten Fächern und zu Lasten der Breitenausbildung. Bayern muss Hochschulabsolventen aus anderen Bundesländern, insbesondere auch aus Berlin, importieren, weil es zu wenige Abiturienten und Studenten hat.

Auch in den USA, die um ihre Eliteuniversitäten immer beneidet werden, verzichtet die Politik nicht auf Einflussnahme. Was gäbe es bei uns für einen Aufschrei, wenn wie in den USA staatliche Forschungsgelder mit politischen Auflagen versehen wären, etwa zur Einhaltung einer bestimmten Zulassungsquote für ethnische Minderheiten?

Politiker können und sollen nicht allein über Wissenschaftsrichtungen und Wissenschaftsschwerpunkte entscheiden. Die Politik hat den Berliner Universitäten massive Kürzungen der Haushalte zugemutet, was in diesem Ausmaß ein großer Fehler und ein Abschneiden von Zukunftschancen auch für die Stadt war. Sie hat dabei aus verständlichen Gründen vor allem auf die Humboldt-Universität und die neuen Wissenschaftsstandorte in Adlershof und Buch und auf die technischen Fächer der TU gesetzt.

Die Berliner Politik hat dabei die Leistungs- und Reorganisationsfähigkeit der FU und die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Dahlem unterschätzt. Umso mehr freut es mich, dass meine Universität, die FU, die aussichtsreichste Berliner Universität in dem Elitewettbewerb war.

Traugott Klose, Berlin-Wannsee

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