Leserbriefe : Abtreibung ist kein Verhütungsmittel

Zu den Äußerungen über Kindstötungen

in Ostdeutschland von Sachsen-Anhalts

Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU)

Man sollte bei der Kritik an Ministerpräsident Böhmer die Kirche im Dorf lassen. Man kann auch andere Schlussfolgerungen ziehen.

Als Gynäkologe, der sich vermutlich um jedes gefährdete Kind, das unter seiner Obhut geboren werden sollte oder geboren worden ist, sehr große Sorgen gemacht hat, wird er sich verständlicherweise über jede leichtfertige Abtreibung unglaublich geärgert haben. Ich hörte ihn ein Beispiel nennen: Man könne ein Kind jetzt nicht brauchen, weil man für den fraglichen Zeitraum schon einen Urlaub geplant habe. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin durchaus der Meinung, dass jede Frau selbst bestimmen darf, wann sie ein Kind sie bekommen will und wann nicht. Aber Abtreibung ist kein normales Mittel der Familienplanung, sondern greift in den Prozess des Lebens gewaltsam ein.

Leben ist aber das kostbarste Gut, das die Menschen haben. Sehr gründliche und verantwortungsvolle Überlegungen müssen daher vor dem Schritt zur Abtreibung angestellt werden. Erst dann sollten Paare, die ein Kind gezeugt haben, und trotz aller Hilfen, die sie bekommen können, nicht wissen, wie sie der Aufgabe, die nach der Geburt auf sie zukommt, gerecht werden sollen, diesen Schritt in Erwägung ziehen. Aber eine vermasselte Urlaubsplanung?! Da kann und darf man doch zornig werden, und zwar ganz gleich, ob dies Argument nun in Ost benutzt worden ist, oder ob es in West oder im vereinigten Deutschland benutzt wird.

Zeitgenossen der DDR-Gesellschaft, die einen Zusammenhang zwischen inhumaner und autoritärer Staatsführung und gesellschaftlichem Verhalten meinen sehen zu können, darf jedenfalls nicht der Mund verboten werden. Eine sachliche Diskussion über Böhmers Auffassung muss möglich sein.

Ingeborg Bohrmann,

Dortmund

Ich verstehe nicht so recht warum alle diesen Politiker runtermachen. Ich habe lange in einer Stelle für Schwangere gearbeitet, in Ostdeutschland wohlgemerkt. Ich habe dort eine Menge wirklich abschreckender Beispiele gesehen (jung bis alt), die Abtreibung als Verhütung ansehen (auch nach dem dritten, vierten und fünften Mal) und da würde es mich auch nicht wundern wenn Mütter, die zwar zum Sexualakt genug Grips in der Birne haben, aber dann keine Verantwortung tragen wollen, das auch als Familienplanung ansehen.

Ich kann ihn gut verstehen. Es gibt weiß Gott genug Möglichkeiten auch nach der Geburt einem Kind ein gutes Leben zu schenken, Babyklappen zum Beispiel. Und warum Kindstötungen zum Beispiel die von Finkenheerd bis heute dermaßen lachhaft bestraft werden, ist mir ein absolutes Rätsel.

Constanze Thietz,

Berlin-Moabit

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