Leserbriefe : Ärzte in den Schichtdienst

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Betrifft: „Therapieziel: Ausgeschlafene Ärzte" und „Ab 16 Stunden wird der Patient zum Feind“ vom 8. Oktober 2002

Ich kann Ihrem Artikel im Großen und Ganzen zustimmen. Einige Aspekte sollten jedoch noch ergänzt werden: Erstens ist es wohl immer noch eher die Regel als die Ausnahme, dass Ärzte nach ihrem Bereitschaftsdienst am folgenden Tag weiterarbeiten, zum Teil sogar regulär im Operationsplan stehen. Somit steigen die Arbeitszeiten auf zweiunddreißig Stunden und mehr. Bekanntermaßen ist damit auch die Fehlerquote erhöht, aber: Welcher Patient weiß schon, ob er von einem ausgeschlafenen Arzt operiert wird?

Für die meisten Patienten ist es auch selbstverständlich, am gesamten Wochenende auf der Station durchgehend dem selben Arzt zu begegnen. Insofern mag Ihr Bericht dazu beitragen, das Bewusstsein der Patienten zu schärfen.

Zweitens muss darauf hingewiesen werden, dass Bereitschaftsdienste zwar deutlich zur Aufbesserung der Bezüge beitragen, aber nach wie vor unterbezahlt sind. In der Regel werden 50 Prozent oder 65 Prozent der regulären Vergütung gezahlt, obwohl die Inanspruchnahme des Arztes eigentlich ein Schichtdienstsystem mit entsprechend voller Bezahlung fordert. Dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EUGH) vom 3. Oktober 2000, Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit anzuerkennen, wird leider bislang fast nirgendwo Rechnung getragen.

Dr. Peter Rieger, (Assistenzarzt

Orthopädie/Unfallchirurgie), Berlin

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