Leserbriefe : Aids macht vor keinem halt

Empörung über Ausfälle von Bushido –

Kritik an Schulsenator nach Auftritt des Rappers“ vom 27. August

Die Äußerungen des Herrn Bushido bei dem Konzert gegen Gewalt sind die, die von ihm zu erwarten waren. Er ist sich sozusagen treu geblieben in seiner gewaltverherrlichenden, beleidigenden und diskriminierenden Art. Dass jedoch die Veranstalter im Rahmen eines Konzertes, das Toleranz Andersdenkenden und -fühlenden gegenüber vermitteln wollte, einem Herrn Bushido den Rahmen für seine diskriminierenden Äußerungen trotz Kritik im Vorfeld geboten haben, ist ungeheuerlich. Wenn dann der Moderator „humorvoll“ zu den Entgleisungen des Herrn B. Stellung bezieht und „Bravo“-Chefredakteur Junkersdorf Herrn B. vornweg als „cool“ bezeichnet, sich nach den Beschimpfungen des Herrn B. jedoch nicht distanziert, so ist das nicht nur peinlich und dumm, sondern schlicht gefährlich. Dass sich die Mitauftretenden offensichtlich ebenso wenig distanziert haben, kann letztlich auch als ein Mittragen und Akzeptieren des Gesagten interpretiert werden.

Veranstalter, die mit einer an und für sich unterstützenswerten Idee angetreten sind, haben so das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten. Besonders schlimm ist, dass „Bravo“ als auch Viva die Jugendlichen prägen. Bleibt zu hoffen, dass sie sich im Nachhinein deutlich von Bushido distanzieren und den Jugendlichen ein Forum bieten, Klischees und Diskriminierung zu hinterfragen.

Noch etwas zu dem ebenfalls klischeehaften, bei Bushido-typähnlichen Männern und deren Sexualpartnerinnen leider weit verbreiteten Irrglauben: Das HI-Virus macht auch vor dem männlichsten Macho nicht halt.

Nach 18 Jahren Tätigkeit im HIV-Bereich möchte ich vor allem allen jungen Mädchen und Frauen mit auf den Weg geben: Es gibt mittlerweile einige Ihrer Geschlechtsgenossinnen, die sich mit HIV oder Hepatitis infiziert haben, weil sie einem ach so männlichen Mann aufgesessen sind (der natürlich Gummis ablehnt). Und nein, man sieht es nicht, ob er infiziert oder krank ist oder nicht …

Stefan Cremer, Berlin Zehlendorf

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