Leserbriefe : Alle 200 Meter eine Ost-West-Verbindung

Zur Berichterstattung über den geplanten Weiterbau der U-Bahn-Linie 5

Man kann zum Planungsauftrag an die BVG zum Weiterbau der U 5 über den Pariser Platz hinaus nur hoffen, dass dieses seit der Wende sehr kontrovers diskutierte Bauvorhaben nun einmal mit ehrlichen Fakten geplant wird. Insbesondere wäre der verkehrliche Nutzen des Weiterbaus für 370 bis 415 Millionen Euro (Steuergeldern!) auf den Prüfstand zu stellen. Die Nutzen-Kosten-Untersuchungen der Jahre 1993/94 und das BVG/IVU-Gutachten aus dem Jahre 2000 dürften wohl Makulatur sein. Diese Analysen gingen von einer Streckenführung über den Hauptbahnhof bis Turmstraße und zum Flughafen Tegel aus!

Es ist höchst fraglich, dass die für die Finanzierung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) notwendige standardisierte Bewertung nach heutiger Verkehrssituation des ÖPNV in Berlin-Mitte einen Weiterbau überhaupt zulässt. Mit der Stadtbahn (S-Bahn), U-Bahn-Linie 2, Bus 100 und 200 stehen leistungsfähigere, interessantere (Touristen fahren im Oberflächenverkehr!) und schnellere (S-Bahn: drei Stationen bis Alexanderplatz) Verbindungen zur Verfügung! Wieso noch eine weitere Parallelverbindung? Jedem Berliner alle 200 m eine Ost-West-Verbindung durch Berlin- Mitte, was soll der Unsinn? Hier werden Verkehre nur verlagert, keine neuen Fahrgäste gewonnen.

Viel Freude bei der Bestellung der Verkehrsleistung in der Senatsverwaltung und bei der BVG! Mehreinnahmen, wenn überhaupt, von geschätzt 1 Million Euro p. A. stehen eigentlich welchen Betriebskosten gegenüber? Darüber wird geschwiegen, genauso wie zum verkehrlichen Nutzen!

Hat die BVG nicht auf Ihrem gesamten U-Bahnnetz einen Investitionsstau der die Baukosten der Kanzler-U-Bahn bei weitem übersteigt? Das Geld wäre wohl im Sinne der Fahrgäste und Steuerzahler besser hier zu verwenden!

Rainer Boldt, Interessengemeinschaft Gewerbetreibender an der Friedrichstraße e. V., Berlin-Charlottenburg

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