Leserbriefe : Andersdenkende sind nicht gleich Sünder

„Protestantische Taliban“

von Malte Lehming vom 8. Juni 2007

Dem Autor muss widersprochen werden. Er meint offenbar, Religion habe mit Politik, dass heißt mit der Gestaltung unseres Lebens, nichts zu tun, es dürfe dort nur um Gott oder um die Kirche gehen, nicht aber um die Probleme unserer Welt. Wozu glaube ich an einen Gott und seine Gebote, wenn sie keine Verbindlichkeit für mein Leben haben ? Das gilt für Christen ebenso wie für Muslime. So ist es nur richtig, dass sich die Kirchentagsbesucher politisch engagieren. Wäre die christliche und islamische Grundregel der Nächstenliebe in stärkerem Masse Bestandteil der Politik, die Welt wäre gerechter und friedlicher.

Über politisch notwendige Entscheidungen kann man streiten und Andersdenkende sind nicht gleich Sünder. Sie sind es aber dann, wenn sie ganz unverantwortlich und eigennützlich denken und handeln. Das gilt für das Weiter-so ohne Rücksicht auf den Klimawandel, aber z. B. auch für das Weiter-so in der europäischen Agrarpolitik, deren erschreckende Auswirkungen auf die Agrarmärkte in Afrika im Tagesspiegel („Für die Welt kein Gewinn“ vom 7. Juni) gerade dargestellt wurden. Aus purem Eigennutz versündigen wir Europäer uns an unseren afrikanischen Mitbürgern. Bischof Huber hat schon recht. Wir alle, die wir die schreienden Ungerechtigkeiten in der Welt geschehen lassen, ohne uns für eine Umkehr einzusetzen, sind Sünder.

Hans-Jürgen Schulze-Eggert, Potsdam

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