Leserbriefe : Anstand, Demut und Bescheidenheit

„Große Töne großer Zocker“ von Tissy Bruns vom 11. Dezember

Tissy Bruns’ Philippika gegen die Finanzjongleure, die in den letzten Jahren nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Demokratie mit ihrem Verhalten geschadet haben, ist angesichts deren moralischen Versagens völlig berechtigt. Dennoch trifft sie nicht die ganze Wahrheit. Denn wenn zum Beispiel im Koalitionsvertrag der großen Koalition ausdrücklich eine Expansion der Verbriefungsmärkte in Deutschland festgeschrieben ist und die rot-grüne Vorgängerregierung auf Vorschlag des damaligen Bundesfinanzministers Hans Eichel die Einrichtung von nicht bilanzpflichtigen Zweckgesellschaften ermöglicht hat, trifft die Politiker eine erhebliche Mitschuld am jetzigen Finanz- und Wirtschaftsdesaster.

Damit haben die Politiker zumindest teilweise den Managern zu der Ausrede verholfen, sich an die vorgegebenen „Spielregeln“ gehalten zu haben. Unternehmern und Managern ist jedoch auch vorzuhalten, dass sie sich immer wieder gegen staatliche Regulierungen gewehrt haben. Und sie haben die Politiker aufgefordert, sich aus dem Wirtschaftsgeschehen herauszuhalten. Sie haben Selbstverpflichtungen propagiert, denen die Politiker gefolgt sind, die aber meist nicht eingehalten wurden. Die „Masters of the Universe“ haben eindeutig gegen das Verhalten des viel zitierten „ehrbaren Kaufmanns“ verstoßen. Deshalb hat Bundespräsident Horst Köhler mit Recht gefordert, Banker sollten wieder zu Bankiers werden, indem sie ihre Branche grundlegend erneuern und mehr Anstand, Demut und Bescheidenheit im Umgang mit ihren Kunden an den Tag legen.

Hans-Henning Koch, Berlin-Wannsee

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