Leserbriefe : Auch die Amerikaner werden einsichtig

-

„Die Löcher der Gießkanne“ vom 13. Juli 2005

Alexander S. Kekulés Meinungsartikel, in dem er argumentiert, beim G8Gipfel sei nichts herausgekommen, ist korrekturbedürftig. Erstens, zum Klimaschutz. Die USA haben Kyoto seinerzeit nicht ratifiziert, und es war völlig klar, dass sie es auch jetzt nicht tun würden. Das ist politischer Fakt und muss die Arbeitsgrundlage für langfristige Maßnahmen gegen den Klimawandel sein. Mit dem Beschluss, CO2-arme Technologien zu fördern, und der Aufnahme eines Dialogs mit den Schwellenländern, die schon heute zu den größten CO2-Emittenten der Welt gehören, sind die G8 auf zwei ernste Einwände der USA eingegangen. Und erstmals haben die USA anerkannt, dass der Klimawandel ein dringendes, vom Menschen mitverursachtes Problem ist, und dass der Emissionsanstieg verlangsamt, gestoppt und schließlich umgekehrt werden muss.

Damit haben wir jetzt eine deutlich bessere Ausgangslage, um einen internationalen Konsens für die Zeit nach Kyoto (2012) zu erzielen. Zweitens, zu Afrika. In Ihrer Zeitung wurde letzthin häufig behauptet, Entwicklungshilfe sei ineffektiv. Herr Kekulé erkennt erfreulicherweise an, dass gezielte Hilfe (zum Beispiel Impfaktionen und Moskitonetze) durchaus Wirkung zeigen kann. Aber statt den Schuldenerlass pauschal zu verreißen, hätte er gut daran getan, auch zur Kenntnis zu nehmen, dass es einigen afrikanischen Ländern erst durch den Schuldenerlass möglich wurde, mehr Geld für Gesundheit und Bildung auszugeben – so zum Beispiel Uganda, das Herr Kekulé ja selbst als gutes Beispiel anführt. Die Impfprogramme, die er als Alternative zur G8-Agenda für Afrika darstellt, werden de facto von der G8 unterstützt – der Gipfel hat ein Impfprogramm gegen Malaria und Hepatitis C beschlossen, das mit vier Milliarden US-Dollar finanziert und zusammen mit der Gates-Stiftung durchgeführt wird.

Sir Peter Torry

Britischer Botschafter in Deutschland

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben