Leserbriefe : Auch in Kulissen dreht sich’s gut

Zur Berichterstattung über die bevorstehenden Dreharbeiten zum Film „Valkyrie“

Dass Tom Cruise als Scientologe in dem Film, der sich mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 beschäftigt, die Rolle des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg übernimmt, ist peinlich. Die Organisation Scientology verbreitet Gedankengut in der Tradition des Nationalsozialismus, sagt sogar die Sektenexpertin der Unionsbundestagsfraktion. Ein Grund die Dreharbeiten zu behindern, ist das nicht. Dass an Originalschauplätzen wie der Kreuzberger Polizeiwache oder dem Bendlerblock nicht gedreht werden darf, kann man aber auch nicht als Behinderung der Dreharbeiten einordnen. Die Wache gehört dem Land Berlin, der Bendlerblock, und in dem heute die Gedenkstätte Deutscher Widerstand untergebracht ist, gehört dem Bund, sie können damit machen was sie für sinnvoll halten. Und im Studio Babelsberg wird man durchaus in der Lage sein, entsprechende Kulissen zu schaffen. Insofern ist Florian Henckel von Donnersmarcks Artikel schlicht und einfach überflüssig.

Bedenklich finde ich aber, dass der Film rund sechs Millionen Euro aus dem Deutschen Filmförderfonds erhalten soll. Er erfüllt wohl die Kriterien. Wenn United Artists und das Studio Babelsberg einen solchen Film mit einem Scientologen in der Hauptrolle produzieren wollen, der keine Gelegenheit auslässt für Scientology zu werben, ist das ihre Entscheidung. Wenn aber öffentliche Gelder für das Projekt vergeben werden, sollte auch der Gesamtkontext beachtet werden, nicht nur das Projekt an sich. Der Widerstand gegen die Nazis darf nicht für die PR einer totalitären Organisation wie Scientology missbraucht werden. Und mit Steuergeldern gefördert werden darf so etwas schon gar nicht.

Christian John, Berlin-Buckow

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