Leserbriefe : Auf beiden Seiten die gleichen Argumente

„Dürfen Muslime in Deutschland Moscheen bauen?“ von Georg Kardinal Sterzinsky vom 7. Dezember

Das war keine frohe Botschaft für muslimische Gläubige, Herr Kardinal, sondern eine, die von Argwohn ihnen gegenüber nur so trieft.

Diese bischöfliche Standortbestimmung lässt keine der schon oft geäußerten Befürchtungen, Zweifel und Bedenken aus im Zusammenhang mit dem Bau von Moscheen.

Die meisten Argumente – das Grundgesetz Artikel 4 zur Glaubensfreiheit ausgenommen – hätte auch ein engstirniger Imam in der Türkei verwenden können, um seine tiefe Skepsis gegenüber dem Bau christlicher Kirchen zu begründen, z. B.: Woher haben die das Geld? Es kommt doch mit Sicherheit aus christlichen Ländern? Schotten sich die Christen nicht noch mehr ab, wenn sie neben der Kirche gar noch ein Gemeindehaus bauen? Warum können die nicht ein kleines, unscheinbares Kirchlein bauen statt einer repräsentativen Kathedrale?

Noch verstörender ist, dass der Kardinal indirekt den muslimischen Verein „Inssan“ in die Nähe von islamistischen Kreisen rückt nach dem Motto: da ist mal was behauptet worden, da könnte was dran sein. Wenn es eine muslimische Gruppe in Berlin gibt, die in Worten und Taten einen aufgeklärten, ja auch selbstkritischen Islam lebt und vertritt, dass ist es „Inssan“.

Statt sich hinter Pauschalangriffen von Ralph Giordano, Necla Kelek oder Günter Wallraff gegenüber Moscheebauten zu verstecken, hätte der Kardinal doch einfach mal das Gespräch suchen können mit Vereinsmitgliedern. Das wäre eine bessere Grundlage für eine glaubwürdige und persönliche Positionierung gewesen.

Barbara John, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Mitglied der Kath. Gemeinde St. Ludwig, Mitglied des Beirats von Inssan, Berlin

Georg Kardinal Sterzinsky fragt: „… muss ein Moscheebau so dimensioniert sein, dass zumindest der Eindruck entstehen kann, eine Machtdemonstration sei beabsichtigt?“

Als Ex-Ulmer wundere ich mich über diese Frage: der höchste Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster, ist keine Moschee, wie auch die meisten höchsten bzw. größten Sakralbauten der Welt „christlich“ sind: Basilika Notre-Dame de la Paix, Kölner Dom, Kathedrale von Rouen, St. Nikolai in Hamburg, Münster in Straßburg. Um nur einige zu nennen.

Tim Karsten, Berlin-Moabit

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