Leserbriefe : Aufbruch zur inneren Einheit begann am 9. November

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„4. November wichtiger als Tag der Maueröffnung“ vom 4. November 2004

Es ist erfreulich und lässt hoffen, dass in der Erinnerung von Pastor Schorlemmer die DDR noch als Diktatur wahrgenommen wird. Denn ansonsten ist seine historische Wahrnehmung doch recht begrenzt. Die Kirchen im Osten hätte es ohne die von Schorlemmer schlecht geredete DMark so nicht gegeben. Darum ist es besonders hochmütig und auch etwas heuchlerisch, wenn er den Menschen im Osten unterstellt, dass es ihnen nur auf das Portmonee ankam.

Nach vierzig Jahren waren viele ostdeutsche Innenstädte Ruinen kurz vor dem Abriss. Ich bin heute dankbar und froh über diesen Fall der Mauer. Er markiert das Ende der Diktatur und den Beginn der Einheit gleichermaßen. Wir haben es damals nur nicht sofort bemerkt.

Christian Raschke, Pfarrer, Evangelisches Pfarramt Wünsdorf

„Auf die West-Berliner warten harte Zeiten“ und „Geteiltes Gedenken“ vom 7. November 2004

Mit Ihrem Doppelinterview Momper/Schabowski hat Ihre Redaktion – so meine ich – in Idee und Ausführung wieder einmal (!!!) eine Glanzleistung vollbracht. Auch die Betrachtungen zum 9. November auf Seite acht gehören in die Rubrik „hervorragend“. Weil Sie sicher viel mehr Kritik als Anerkennung hören, besser wohl: lesen, habe ich nun endlich einmal in die Tasten gegriffen. Grund hätte ich schon sehr oft gehabt.

Gerd Lemke, Langenfeld

Die Mauer war nur der sichtbarste und zugleich fürchterlichste Ausdruck der Teilung. Die Beseitigung dieses Unikums konnte nur der erste Schritt sein auf dem langen Weg zu einer „inneren Einheit“. Die Teilung Berlins war tiefer und vielschichtiger. Walter Momper sprach zu Recht davon, dass nach wie vor eine Diskrepanz zwischen Ost und West in den Köpfen herrsche. Wie weit sind wir also auf unserem Weg?

Ist es letztlich nicht so, dass Berlin neben seiner repräsentativen Funktion eine weitere Großstadtaufgabe zu bewältigen hat, nämlich die jahrzehntelang getrennten Lebenshälften wieder zusammenzubringen? Ich schlage vor, neben dem „Hauptstadtbudget“ auch ein spezifisches Budget zu schaffen, aus dem vor allem mitmenschliche und symbolische „Brücken“ zu finanzieren wären wie auch Projekte, die im wahrsten Sinne des Wortes sinnstiftend sind. Denn die „innere Einheit“ kann nicht infrastrukturell herbeigeführt werden, genauso wenig wie es den zuvor Regierenden gelungen war, auf technischem Wege Menschen auseinander zu bringen.

Helmut Krüger, Potsdam

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