Leserbriefe : AUTOBAHNGEBÜHR FÜR LKW Wo liegt das Problem bei der Maut?

Unser Leser Matthias Philipsen glaubt, dass die UMTS-Technik nicht funktioniert. Toll-Collect-Geschäftsführer Ziermann sagt: Ende des Jahres läuft das Erfassungssystem

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Zu: „Zwanghaft zuversichtlich“ vom 19. Februar und „Daimler und Telekom geben Maut nicht auf“ vom 20. Februar 2004

Ich kenne kein Software-Projekt dieser Größenordnung, das pünktlich fertig geworden ist. Das sehr viel größere technologische UMTS-Projekt hängt auch 1 1/2 Jahre zurück. Die Verluste für uns Steuerzahler sind viel bedeutender, aber keiner bemerkt es.

Das Maut-Projekt hat zwei grundsätzliche Geburtsfehler: Erstens war keine Testphase geplant worden, und zweitens hatte man keine stufenweise Einführung geplant. Eine Planung, die ohne Feldtest von Null auf Hundert geht, muss scheitern! Jeder Projektmanager würde Ihnen das sagen.

Ich suche hier nicht nach Schuldigen. Ich stelle nur fest, dass nur Politiker in der Öffentlichkeit reden. Von der anderen Seite, der Industrie, hört man nichts. Toll Collect sollte diese hochnoble „UMTS“-Politik aufgeben. Das Projekt ist mitnichten gestorben!

Bei solchen innovativen Projekten sitzen Auftraggeber und Entwickler untrennbar in einem Boot. Man kann gar nicht zurück. Technische Probleme sind immer lösbar! Und beim Risiko sollte man sich auf das 30:70-Verhältnis einigen, wie man sich ja auch bei den Einnahmen auf dieses Verhältnis geeinigt hat. Wo liegt das Problem?

Matthias Philipsen, Berlin-Wilmersdorf

Sehr geehrter Herr Philipsen,

Sie haben vollkommen Recht. Das Projekt ist – um es mit Ihren Worten zu sagen – „mitnichten gestorben“. Wir als Toll Collect GmbH stehen nach wie vor zu unserem System und zu dem von uns vorgelegten neuen Fahrplan zur Einführung der LKW-Maut. Ende 2004 können wir damit die Mautgebühren erheben.

Alle Maßnahmen, die erforderlich sind, um die entsprechenden Meilensteine abzuarbeiten, werden wir planmäßig weiter umsetzen.

Das Mautsystem für LKW über 12 Tonnen ist fertig entwickelt. Jetzt geht es um die Überprüfung des integrierten Gesamtsystems, das bedeutet Tests der Hard- und Software sowie der Prozesse. Dies umfasst die Abrechnung, die Mauterfassung und den Zahlungsverkehr.

Technisch, darin bestärken uns auch Aussagen unseres Auftraggebers, sind wir absolut auf dem richtigen Weg.

Wir bedauern, dass der Bund das vom Toll-Collect-Konsortium vorgelegte Angebot abgelehnt hat. Nun stehen noch zwei Monate zur Verfügung, bis die Kündigung wirksam würde. In dieser Zeit können die Vertragspartner weiter verhandeln. Und wir, die Geschäftsführer und die Mitarbeiter der Toll Collect GmbH, werden diese Zeit nutzen, um weiter am Erfolg des Projektes zu arbeiten. Damit Deutschland, trotz der Verzögerungen, ein zukunftsträchtiges Mautsystem bekommt.

Hans-Burghardt Ziermann, Sprecher der Geschäftsführung der Toll Collect GmbH

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