Leserbriefe : Babelsberger Geschichte

„Liebe kennt kein Zeit“ vom 22. Dezember und „Verhängnis West, Vermächtnis Ost“

von Kerstin Decker vom 12. Dezember

Unmittelbar nach dem Krieg schaute man sich als Ostberliner noch die Filme aus Ostproduktion an. Dann gab es hauptsächlich belehrende Filme, die dem Zuschauer den Kommunismus schmackhaft machen sollten. Das wollte keiner mehr sehen. Man ging als Ostberliner in die Westberliner Kinos, um sich dort die wesentlich gefragteren Filme aus westdeutscher, amerikanischer, englischer oder französischer Produktion anzusehen. So machten es fast alle. Auf diese Weise wurde über das Filmschaffen in Ost und West vom Publikum abgestimmt.

Die Zeit, in der wir mit der Mauer leben mussten, kann ich nicht beurteilen, weil ich in Westberlin wohnte und keinen Zugang zu den Defa-Filmen hatte. Nach dem Fall der Mauer sah ich den Defa-Film „Die Legende von Paul und Paula“. Trotz aller Wertschätzung der Protagonisten konnte ich dem Film nichts abgewinnen. Ich fand ihn schlichtweg langweilig. Man muss wohl in der DDR groß geworden sein, um in dem Film etwas Besonderes zu sehen. Volker Schlöndorffs ablehnende Haltung zur Mehrzahl der Defa-Filme kann man durchaus teilen.

Udo Wercker, Berlin-Buckow

Der Tagesspiegel berichtet über die Beurteilung der Defa-Filme durch Volker Schlöndorff. Wie dieser habe ich während der 50er Jahre mein Universitätsstudium in Paris absolviert. Indessen ist mir nicht aufgefallen, dass in Paris Defa-Filme gezeigt wurden, was ich übersehen haben kann, da ich mich vorwiegend für französische Filme interessierte.

Die erste repräsentative Begegnung mit Defa-Filmen hatte ich im Frühjahr 1990 während des in Verona stattgefundenen, wohl einzigartig gebliebenen deutsch-deutschen Filmfestivals, an das ich eine nachhaltige Erinnerung bewahre. Etwa um die gleiche Zeit war ich in meiner Funktion als Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Mailand mit der Offerte der Rizzoli-Verlagsgruppe befasst, die Babelsberger Produktionsanlagen zu erwerben. Die italienische Seite beabsichtigte, diese filmhistorisch einmalige Stätte so zu erhalten, wie sie gewachsen war und auch den weiteren Bestand des Defa-Symphonieorchesters zu gewährleisten. Als Gegenleistung wünschte sie vor allem die Übertragung der Rechte an den Defa-Filmproduktionen. Ein Ferngespräch, das ich in dieser Sache mit dem damaligen Berliner Senator für Kultur führte, der den DDR-Kulturminister beriet, brach zusammen und ließ sich nicht wiederherstellen. Eine Gesprächsrunde in Berlin zwischen den Geschäftsleitungen der Rizzoli-Verlagsgruppe und der Defa verlief ergebnislos. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt.

Dr. Manfred Steinkühler, General konsul a. D., Berlin-Schmargendorf

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