Leserbriefe : Baupläne II

„Vom Vandalismus und seinen Vorwänden / Streit um die Renovierung der Berliner Staatsoper: Eine Polemik von Friedrich Dieckmann“ vom 4. Juni

Danke für den guten, sachlichen Artikel von Friedrich Dieckmann. Um es niedriger zu hängen, sei einmal aus der Insiderperspektive daran erinnert, seit wann die Akustik der Staatsoper die gegenwärtig beklagten Mängel ausweist. Das Haus wurde 1985/86 erstmals saniert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Dabei sind im Proszeniumsbereich kleine Umbauarbeiten vorgenommen worden, die zu den beklagten Veränderungen führten. Zwar wurde dies schon damals schnell erkannt, jedoch war systembedingt Kritik nicht möglich. Es gibt noch genügend Beteiligte, die der Meinung sind, dass diese Mängel mit verhältnismäßig geringem Aufwand wieder rückgängig zu machen sind. Überdies leben noch erstrangige Dirigenten, die damals dort gewirkt haben (Suitner, Fricke, Rennert) und noch befragt werden könnten. Ich denke, dass es in einer Zeit, in der in Berlin Schulen aus Geldmangel verrotten, schon wert wäre, diesem Sachverhalt nachzugehen.

Karl Klebe, Berlin-Frohnau

Friedrich Dieckmann nennt seinen Beitrag eine Polemik. Im Fremdwörter-Duden kann man wählen zwischen 1. literarische od. wissenschaftliche Auseinandersetzung, Meinungsstreit und 2. unsachlicher Angriff, scharfe Kritik. Beide Kriterien sind nur in Teilen zutreffend. Geht man aber alle Argumente Dieckmanns durch und reduziert die fast euphorische Würdigung der Leistung des Stalinalleeschöpfers - und Verantwortlichen für die Neugestaltung des Operninneren - auf ein sachliches Urteil, dann kann man nur sagen: Respekt! Die sorgfältig recherchierten Fakten und die Herausarbeitung der Tatsache, dass der heute existierende Innenraum von allen bisherigen Lösungen der Knobelsdorff’schen am nächsten kommt, sollte die Entscheider noch einmal zum Nachdenken bringen: Eine behutsame Renovierung – ggf. Überarbeitung – des Zuschauerraums, die Verbesserung der Akustik und die „baulich-technische Grunderneuerung“ - das dürfte vom zeitlichen und finanziellen Aufwand her eine Lösung sein, die nicht zu schlagen ist. Zu schweigen davon, dass Inneres und Äußeres miteinander harmonieren. Also, Herr Wowereit (und wer noch für das Projekt Verantwortung trägt): Wettbewerb einfrieren und den gesunden Menschenverstand nebst Fingerspitzengefühl walten lassen! Vielleicht könnte man Herrn Sarrazin für die Sache interessieren?

Wolfgang Sauer,

Berlin-Charlottenburg

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