Leserbriefe : Begriff „Zigeuner“ gehört nicht auf Denkmal für Sinti und Roma

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„Wer hat Angst vor Zigeunern?“ vom 9. Februar 2005

Der Artikel von Gregor Dotzauer wird der Thematik nicht gerecht. Es geht um die Inschrift auf dem Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin. Das ist etwas ganz anderes als der Umgang mit den Begriffen „Zigeunerschnitzel“ und „Zigeunerbaron“, die Herr Dotzauer nennt.

Jetzt wird neuerdings von Kulturstaatsministerin Weiss verlangt, die diskriminierende Bezeichnung „Zigeuner“ auf das Denkmal zu schreiben. Der Historiker Jäckel erklärt in der FAZ, dass die Bezeichnung „Zigeuner“ von dem Begriff für „Unberührbare“ abstamme. So haben wir Sinti und Roma uns in der Geschichte niemals selbst bezeichnet. Während die Uno, die OSZE, der Europarat und die Europäische Union in ihrem amtlichen Sprachgebrauch die Selbstbezeichnungen „Roma“ als Oberbegriff für die verschiedenen nationalen Minderheiten in den Ländern Europas und „Sinti“ für die Angehörigen unserer Minderheit im deutschen Sprachraum offiziell eingeführt haben, will man das im „Land der Täter“ offenbar immer noch nicht akzeptieren.

Maßgebend ist das Votum der Minderheit selbst. Neben 210 bedeutenden Persönlichkeiten, darunter viele Wissenschaftler und jüdische Repräsentanten, unterschrieben im Jahre 2000 auch über 1500 Holocaust-Überlebende und weitere 600 deutsche Sinti und Roma den Appell an die Bundesregierung, wonach das Herzog-Zitat die Aussage des Denkmals sein soll. Roman Herzog sagte 1997 als Bundespräsident, dass die Nationalsozialisten den Völkermord an den Sinti und Roma im besetzten Europa mit dem gleichen Rassenwahn und gleichen Vernichtungswillen durchführten wie an den Juden. Die Israelische Botschaft befürwortete im Juli 2000 dieses Herzog-Zitat. Das ist kein „absurder Gleichstellungswunsch“, wie Herr Dotzauer schreibt.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg

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