Leserbriefe : Berlin braucht mehr Grünflächen

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„Das Loch in der Stadt“ von

Dieter Hoffmann-Axthelm vom 7. Januar

Zu kurz gedacht: In der Analyse stimme ich Dieter Hoffmann-Axthelm zu. Das gesamte Flughafengelände isoliert als Objekt zu betrachten und einem Investor zu überlassen wirkt einer nachhaltigen Stadtentwicklung mit Sicherheit vollkommen entgegen. Auch der wirtschaftliche Erfolg oder mindestens die Entlastung der klammen Stadt darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Bei größeren Projekten stellt sich, spätestens wenn der Investor sich unterstützt von einer großmannssüchtigen öffentlichen Verwaltung übernommen hat, in aller Regel heraus, dass Risiken aller Art von vornherein bei der Gesellschaft und den Steuerzahlern lagen. Die mangelnde Verzahnung der angrenzenden Stadtteile und die geschilderten Probleme, die dieses Quasi-Sperrgebiet in jeder Hinsicht auslöst, vermag ich auch nachzuvollziehen.

Im Gegensatz zu Hoffmann-Axthelms Vorschlag wünsche ich mir jedoch mehr als eine Reparatur der Stadtstruktur und vermisse eine Vorstellung von der Qualität der neu entstehenden Stadträume, dazu gehören explizit gerade auch Grünflächen. Die Möglichkeit, einen wesentlichen Teil der Fläche in einen Park oder Wiesen zu verwandeln, wertet Hoffmann-Axthelm als „Berliner Reflex“ ab, und unterschlägt dabei, dass die von ihm genannten Restflächen wenig oder nichts mit den großartigen Anlagen zum Beispiel in New York oder München zu tun haben. Wer den Central Park oder den Englischen Garten erlebt hat, wird deren Qualität in Berlin schmerzlich vermissen. Das liegt zum Teil an der schlechten Pflege der Berliner Anlagen durch die klamme Stadt, aber auch daran, dass man eine Erholungslandschaft mitten in der Großstadt als Qualität begreifen, konsequent gestalten und erhalten muss.

An jedem einigermaßen schönen Sommertag sind die reizvollen Plätze in Berlin hoffnungslos überbevölkert. Die Stadt ist weit davon entfernt, zu viele Grünflächen zu haben. Dass die Pflege zurzeit kaum zu leisten ist, kann doch nicht heißen, Parks aus dem Baukasten der Stadtentwicklung zu streichen.

Hermann Weinreich, Berlin-Moabit

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