Leserbriefe : Berlin ist derzeit keine Reise wert

„Winterdienst verzweifelt gesucht“

vom 12. Februar

Dass die Gehwege sehr schlecht hergerichtet werden, ist eine alte Leier. Es gibt jede Menge Straßenübergänge, die nicht von den Hauseigentümern und den Gartenbauämtern zu sichern sind, sondern von der Straßenreinigung. Hier gibt es leider Eisbahnen bei Frost, und Teiche bei Tauwetter. Mütter mit Kinderwagen und ältere Menschen suchen verzweifelt Übergänge über die Schneeberge zur anderen Straßenseite. Die schwarzen Körnchen, die irgendwann gestreut wurden, sind längst im Eis versunken. Und wenn es oberflächlich beräumte Streifen gibt, sind diese gerade mal einen Schneeschieber breit. Wenn sich Personen begegnen, stellt sich immer die Frage, wer ist risikofreudig und läuft über das Eis.

Die Stadtreinigung ist offenbar völlig überfordert neben den Autobahnen und den großen Durchgangsstraßen auch noch die Nebenstraßen und die Fußgängerüberwege an den Kreuzungen zu bearbeiten. Warum werden für die Handreinigung und das Abfahren von Schnee/Eis nicht Aushilfen eingestellt? Früher wurde der Schnee tatsächlich beseitigt, bevor er zu Eis wurde.

Hans-Joachim Oberbach,

Berlin-Friedenau

Berlin ist bekanntlich immer eine Reise wert, doch dieses Mal fühlte ich mich eher aufs Glatteis geführt. Seit diesem Wochenende weiß ich zwar, dass nicht nur Beziehungen abstumpfen können, sondern angeblich auch Eis. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass es in Berlin genüge, Schnee zu fegen und Eis abzustumpfen. Nur, besonders stumpf war das Eis nicht. An den meisten Stellen schien seit Wochen niemand etwas getan zu haben. Selbst am Kurfürstendamm, da war zwar ein schmaler Streifen direkt vor den Geschäften geräumt. Aber wehe dem, der zur Bushaltestelle laufen musste. Nur mit Mühe gelang es mir, mich in der Senkrechten zu halten. Nicht auszumalen, wie sich Alte und Behinderte fühlen müssen. Und was sollen Touristen auf ihrem Berlinbesuch denken?

Abstumpfen reicht eben nicht, Eis und Schnee müssen einfach weg. Wie mir eine Bekannte erzählte, fahre teilweise auch die Polizei vor, um Besitzer und Mieter auf ihre Räumpflicht hinzuweisen. Mein Eindruck war aber vor allem, öffentliche Wege und Plätze sind nicht geräumt. Was tun Senat und Bezirke?

In Berlin hört man nicht gern Belehrungen aus dem Süden. Aber ich lebe schon lange in Nürnberg, hier kann es mal ein paar Stunden dauern, bis die (Neben-)Straßen geräumt sind, auch verzichtet Nürnberg weitgehend auf den Salzeinsatz. Die Gehwege sind aber schon frühmorgens einwandfrei geräumt. Und 2001 hatten wir hier sogar hüfthoch Schnee. Was hier reibungslos klappt, soll in der Weltmetropole Berlin nicht möglich sein? Komisch, für die Filmstars wird auch geräumt. Fazit: Wenn das Eis denn mal geschmolzen ist, sollte man den Saustall in der Berliner Verwaltung ausräumen.

Christian Rechholz, Nürnberg

Gut, dass sich die Presse des Themas annimmt. Die Zustände auf den Straßen Berlins sind nicht in erster Linie Folge eines Naturphänomens, sondern der Untätigkeit, Fahrlässigkeit, Pflichtvergessenheit der privaten und städtischen Haus- und Grundbesitzer sowie der Ordnungsämter, die es versäumen, gegen die Grundstückseigentümer vorzugehen.

Die stadteigenen Grundstücke bieten übrigens ein besonders schlechtes Beispiel. Während wenigstens einige private Eigentümer gründlich räumen, tut dies die Stadt praktisch nie.

Richtig ist Ihre Feststellung, dass durch das Tauwetter sich die Situation noch verschärft hat. Bei jedem –auch kurzfristigen Tauwetter wird die dadurch freigelegte ältere Eisschicht zur neuen Gefahr. Zudem wird meistens Streugut sehr sparsam eingesetzt. Außerdem hat es Fußgänger nicht mehr nur mit Glätte, sondern zudem mit knöcheltiefem Matsch und Pfützen (besonders an den Straßenübergängen) zu tun.

Kurt Langer, Berlin-Prenzlauer Berg

Endlich hat auch der Senat erkannt, dass die Ursache der heutigen Misere bei ihm liegt, indem er irgendwann in der Vergangenheit die Forderung auf Gehwegreinigung bis auf den Grund,gestrichen und durch die Forderung ersetzt hat, der Schnee müsse nur begehbar (abgestumpft) werden. Da waren wohl die Lobbyisten erfolgreich.

Sobald der festgefahrene oder -getretene Schnee taut und später wieder gefriert, bildet sich Eis. Sobald es darauf wieder schneit wird es besonders gefährlich, da der neue Schnee das Eis verdeckt. Eine besondere Gefahr besteht durch die unter dem Schnee versteckten Eisbuckel für die Fußgänger. Im Übrigen wiederholt sich das Spiel, oberflächliches Abstumpfen, Festfahren oder -Treten, Tauen und Gefrieren. Solche Schichtung ist ohne Tauwetter nur mit erheblichem Aufwand zu beseitigen. Bei korrekter Reinigung bis auf den Grund würde das so nicht passieren, wie konkrete Beispiele, die es tatsächlich noch gibt,beweisen.

Neben der Tatsache, dass es vor Gebäuden der öffentlichen Hand oft besonders schlimm aussieht, ist festzustellen dass die Ordnungsämter ihre Pflicht zur Aufsicht und Kontrolle weitestgehend vernachlässigen.

Die nachlässige Durchführung der Schnee- und Glättebeseitigung ist neben der fehlenden Kontrolle, auch darauf zurückzuführen, dass Firmen einfach zu viele Aufträge annehmen. Sie können zu den vorgegebenen Zeiten einfach nicht alle Aufträge ordnungsgemäß durchführen.

Hier in Wannsee und sicher nicht nur hier, benutzen mehr und mehr Fußgänger die Fahrbahn geräumter Straßen, weil sie nur dort sicher gehen können. Bisher haben sich Autofahrer rücksichtsvoll verhalten aber wer weiß wie lange es dauert, bis etwas Ernstliches passiert.

Winfried Berndt, Berlin-Wannsee

Gerade weil Berlin eine so große Stadt ist mit vielen Menschen, fühlt sich keiner so recht verantwortlich. Jeder denkt doch, dass er „dafür nicht zuständig“ sei, und alles bleibt so wie es ist.

Gudrun Sagawe, Berlin-Steglitz

Interessant zu lesen, wie die Mitarbeiter des Ordnungsamtes darauf achten, wie gut oder wie schlecht die Gehwege gegen Glätte behandelt sind. Was aber ist eigentlich zu tun, wenn die Verwaltung sich selbst von der Pflicht zum Winterdienst befreit hat?

Ich habe schon mehrfach mitgeteilt, das die Gehwege in der Egelpfuhlstraße in Spandau, die an die Grünanlage am Bullengraben angrenzen, weder geräumt noch gestreut sind. Laut Mitteilung des Ordnungsamtes ist „der betreffende Gehwegabschnitt entlang der Grünanlage am Bullengraben auf Antrag des Naturschutz- und Grünflächenamts seit dem Jahre 1983 von der Pflicht zum Winterdienst befreit.“ Mit anderen Worten: Hier hat sich das Bezirksamt selbst von der Pflicht zum Winterdienst befreit.

Im Moment sind die betreffenden Gehwege eine glatte, buckelige und glitschige Piste, die kaum passierbar ist. Ich selbst bin dort schon ausgerutscht und gefallen. Ob Herr Bürgermeister Birkholz mir mal erklären kann, wo ich laufen soll, wenn ich in Richtung Bushaltestelle oder Supermarkt gehen will – auf der Fahrbahn ?

Heinz-Peter Schwarz,

Berlin-Wilhelmstadt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben