Leserbriefe : Berliner sollten vor ihrer eigenen Haustür kehren

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„Dreck machen immer nur die anderen“ vom 23. Oktober und „Die Stadt, der Müll und das Vorurteil“ vom 26. Oktober 2005

Die Äußerung Frau Kubalas von den Bündnisgrünen kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. Oder wie sonst soll man den Satz verstehen, dass „multikulturelle Vielfalt es mit sich bringe, dass nicht alles sauber und geleckt aussehe“.

Soll das heißen, dass dort, wo Ausländer leben, es zwangsläufig dreckiger ist als sonstwo? Solch eine Aussage hätte ich eher aus einer anderen politischen Ecke vermutet.

Zunächst ein paar Fakten in Bezug auf die von Frau Kubala so gering geschätzten Städte Stuttgart und München. Diese mögen zwar im Bewusstsein mancher Berufsberliner keine Metropolen sein, was ja Berlin zweifellos ist. Aber dort ist der Ausländeranteil mit jeweils ca. 25 Prozent beinahe doppelt so hoch wie in Berlin mit seinen knapp 13 Prozent, und die multikulturelle Vielfalt ist in jenen Städten auch ausgeprägter als in Berlin, wo allein durch den hohen Anteil der Türken (ca. 40 Prozent aller Ausländer) in Bezirken wie z.B. Wedding oder Kreuzberg eine eher eintönige Monokultur herrscht. Und was die Sauberkeit betrifft, so hat das durchaus mit dem in diesem Artikel beklagten Mangel an Bürgersinn und Verantwortungsgefühl zu tun, und zwar hauptsächlich bei der „einheimischen“ Bevölkerung.

Ich empfehle jedem Berliner, ein paar Tage in München zu verbringen und die dortigen Parks zu durchwandern. Nicht, dass es dort keine Probleme gäbe wie sonstwo auch, aber es wird z.B. der Leinenzwang für Hunde konsequent durchgesetzt, ebenso das Radfahrverbot in für Fußgänger reservierten Bereichen.

Auch lässt sich die Stadt die Vermüllung von Grünflächen nicht bieten, und massenhafte Grillexzesse am Wochenende in zu schützenden Parkanlagen mit den offensichtlich unvermeidlichen Abfallbergen und sonstigen Zerstörungen (etwas, womit Berlin anscheinend immer noch irgendeine besondere Toleranz unter Beweis stellen will) werden im Interesse aller Bürger (auch der ausländischen) einfach nicht zugelassen. Und trotz allem sieht München alles andere als „geleckt“ aus. Es ist schlicht eine angenehme Stadt, in der man sich auf Anhieb wohl fühlen kann.

Während 14 Jahren in Berlin konnte ich miterleben, wie wenig Engagement und Verantwortungsgefühl geschätzt werden, gerade auch von Behördenseite. Seit drei Jahren kann ich als zeitweiliger Besucher mit dem „Blick von außen“ beobachten, wie die Vermüllung bestimmter Stadtteile rapide zunimmt, insbesondere auch in meinem früheren Wohnbezirk Wedding.

In meiner neuen Heimat Zürich fühle ich mich als Ausländer auch deshalb wohl, weil ich erleben kann, dass die Bürger dieser Stadt (jeglicher Nationalität) viel engagierter sind, was die Erhaltung ihrer Wohnquartiere angeht. Und zum Schluss noch mal an Frau Kubala gerichtet: Zürich hat einen Ausländeranteil von knapp dreißig Prozent und eine multikulturelle Vielfalt, von der Berlin nur träumen kann, und trotzdem hat man hier nirgendwo, auch nicht in den so genannten, weniger „geleckten“ Problemquartieren, die Assoziation von Müllhalde wie in manchen Berliner Kiezen.

Markus Jäger, Zürich (Schweiz)

Ich teile die Ansicht des Autors, dass kaum ein Berliner Verantwortung übernimmt für Sauberkeit in der Stadt. Am liebsten hätte jeder seinen eigenen BSR-Mitarbeiter, der mit Schaufel und Besen hinter ihm her läuft.

Dr. Genovefa Brugger,

Berlin-Wilmersdorf

Wenn die Stadtreinigung für das viele Geld, das sie uns kostet, auch ihrem Vertrag mit uns nachkommt, bin ich gerne wieder bereit, den Besen gelegentlich in die Hand zu nehmen. Ebenso würde ich es erwarten, dass das Ordnungsamt sich hier mal sehen lässt, um Hundebesitzer aufzufordern, ihre Hunde an der Leine zu führen und deren Kot zu beseitigen. Die zuständigen Behörden sollten ihren Aufgaben nachkommen und nicht immer den Mitbürgern Verantwortungslosigkeit vorwerfen.

Peter Gansen, Berlin-Mariendorf

Die durch politische Fehlentscheidungen und Misswirtschaft provozierte Armut wird eben langsam sichtbar: überquellende Papierkörbe, bis zur Unlesbarkeit verdreckte Straßenschilder, dunkle Stadtlaternen, Schlaglöcher auf den Straßen, verfallene Spielplätze, geschlossene Frei- und Stadtbäder, wegrationalisierte Stadtbüchereien und Jugendfreizeiteinrichtungen usw. Da helfen keine neuen supergeilen Konsumtempel und kein neues Bundeskanzleramt.

Angelika Thieme-Eitel,

Berlin-Schmargendorf

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