Leserbriefe : Berlins Gedenkkultur stimmt bedenklich

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„Tafeln zum Gedenken an den 17. Juni

vom Finanzministerium entfernt“

vom 21. Juni 2005

Man könnte fast meinen, hinter all dem steckt ein System. Kaum ist die Deutsche Einheit vollzogen, schafft man den „Tag der Deutschen Einheit“ ab. Mauerteile, die an die Teilung der Stadt erinnern, gibt es da schon kaum noch. Erst Jahre später und nachdem kaum noch etwas vorhanden ist, beginnt man dann mit der Erinnerungskultur und dem Bau von Mahnmalen. Die finden, so wie die „Badewanne“ vor dem Finanzministerium, bei den Betroffenen zwar kaum Zustimmung, denn sie haben oft eine andere Vorstellung von würdigem Gedenken, nur gefragt werden sie dabei nicht.

Die Entscheidung darüber wie zu gedenken ist, überlässt man Künstlern und Politikern. Und so haben wir heute die Situation, dass an jenem Ort, wo einst mit der Ausrufung zum Generalstreik ein Aufstand begann, der von den Herrschenden nur noch mit Panzern gestoppt werden konnte, auf einem unter Denkmalschutz stehendem Wandfries der Slogan „Lang lebe die Deutsche Demokratische Republik" zu lesen ist, während Tafeln mit Bildern vom Aufstand dagegen abmontiert werden.

Alex Latotzky, Kolrep

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