Leserbriefe : Berlins Schulen machen allen Bauchschmerzen – Kindern, Eltern und Lehrern

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„Unsere Penne – all’arrabbiata“ vom 26. September 2004

Danke für Ihren Artikel, der mir aus tiefstem Herzen spricht. Auch ich bin der tiefen Überzeugung, dass man den Bildungsstand unserer Kinder am ehesten verbessert, wenn die im Stundenplan vorgeschriebenen Stunden auch stattfinden. Förderlich wäre sicher auch, nicht mehr 35 Schüler in einer Klasse „zu verwahren“, sondern vielleicht nur noch 25. Aber das kostet Geld, das unsere Politiker nicht bereit sind zu investieren. Lieber denkt man sich neue Schwachsinnigkeiten aus, die ohne Geld auch nicht funktionieren werden. Dabei werden Millionen verplempert für Mieten vom Landesschulamt nicht genutzter Räume, ganz zu schweigen von Investitionsruinen. Noch eines zum Thema Toiletten: Schulen sollten einen Wandertag zu einem Besuch im Abgeordnetenhaus nutzen und sich dort auch die Toiletten ansehen. Meine Kinder zumindest waren sprachlos!!

Sabine Puche, BerlinLankwitz

Ihr Autor Harald Martenstein ist in der Berliner Presselandschaft der Einzige, der so treffend und vollständig die Wahrheit über unser marodes Schulsystem schreibt. Warum erhört ihn keiner?

Eva Haacke und Reinhard Kaiser mit Justus und Valentin, Berlin-Prenzlauer Berg

Ein „Bravo“ für Harald Martensteins Artikel über den Zustand unseres Schulwesens in Berlin. Eigentlich sollte doch jeder Bildungsfachmann in Berlin, der 40 Jahre sozialistische Gleichheitslüge und ideologisch verbrämte Gleichmacherei im ehemaligen Ostteil unseres Landes hautnah miterlebt hat, zu der Erkenntnis gekommen sein, dass nur Vielfalt im Schulsystem, das jedem Schüler entsprechend seiner Begabung und Neigung Entfaltungsmöglichkeit bietet, einen Ausweg aus der gegenwärtigen und wohl auch zukünftigen Bildungsmisere bietet.

Hans-H. Weiß, Berlin-Lichterfelde

Ach, würde doch Herr Martenstein die unfähige SPD-Schulpolitiker-Riege beraten, dann sähe es nicht so trostlos in Berlin aus.

Christine Blanke, Berlin-Charlottenburg

Ich habe den Tagesspiegel oft gescholten wegen der braven Kommentierung der Bildungspolitik. Nun lese ich dies: Der Zustand der Schultoiletten gilt als Symbol für den Gesamtzustand der Berliner Schulen!!! Das trifft es – auch der Pessimismus des Autors ist berechtigt, denn wer noch nicht einmal für saubere Toiletten sorgen kann, wird wohl kaum für bessere Lehr- und Lernbedingungen sorgen können oder wollen.

Alexander Bungard, Berlin-Schöneberg

Für Ihren haargenau treffenden Beitrag schlicht: Danke! Ich werde diesen Artikel, fein säuberlich gefaltet in einer Prospekthülle, von nun an stets bei mir führen und jedem zeigen, der glaubt, sich immer noch über meinen „gut bezahlten Halbtagsjob“ (als Grundschullehrer) mokieren zu müssen. Wenn das immer noch nicht hilft, könnte ich eine vierwöchige Kur in meiner Klasse empfehlen … Knapp 16 Jahre bin ich jetzt dabei, fühle mich aber schon länger nicht mehr als beruflich überzeugter und begeisterter Lehrer im Sinne des Wortes, sondern lediglich noch als erzwungen willfähriger Erfüllungsgehilfe des von oben gegen jede herrschende Realität angeordneten, aktionistischen Bildungs„reform“-Wahnsinns. Ja, ich bin deswegen verbittert. Und obwohl auch ich teilweise mit Bauchschmerzen (nicht organischer Herkunft!) in meine Schule gehe, gilt solchen Krankheitsstrategen wie z. B. am Gymnasium Ihres Sohnes meine ganze kollegiale Verachtung.

Thomas Krause, Berlin-Heiligensee

Hiermit möchte ich Ihnen danken für Ihren Artikel über die Schule, er war mir wie aus der Seele geschrieben. Mit einigen Kollegen habe ich ganz kurz darüber gesprochen, und wir waren uns alle einig in der Beurteilung. Bitte noch mehr davon, wir würden sehr gerne „unser altes Modell“ in volle Funktion bringen, die Bereitschaft ist da, das Potenzial auch, aber die Umstände, die sind nicht so. Auf jeden Fall ist es für uns doch ermutigend, Ihre Zeilen zu lesen.

Mechthild Spiegel, (Gymnasial-)Lehrerin, Berlin-Frohnau

Seit 1974 bin ich Lehrer in Berlin, davon 18 Jahre an einer Gesamtschule und habe mich sehr über diesen Artikel gefreut, da die Schulpolitik bzw. Schulprobleme endlich einmal realistisch dargestellt werden. Fast jeden Satz von Herrn Martenstein kann ich unterschreiben.

Heinz Rose, Berlin-Britz

Harald Martenstein hat Recht – und denkt zu kurzsichtig! Was als Bildungskrise anmutet – auch wenn wir davon, dank täglicher Vertretungsarbeit verbeamteter (!) Kolleginnen und Kollegen, noch weit entfernt sind –, ist unstrittig zu großen Teilen auf seit Jahren immer massiver schrumpfende öffentliche Haushalte zurückzuführen. Für Schüler und Lehrer führte dies zu deutlich spürbaren Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, wie z.B. größeren Klassen, der Zusammenlegung von Fördergruppen usw. Aufgefangen werden sollten und sollen diese durch immer neue, aktionistisch den Schulen aufgepfropfte Reformideen, die mitunter genauso schnell wieder in der Versenkung verschwanden, wie sie kurz vorher aufgetaucht sind, und – damit lässt sich der Mangel natürlich am einfachsten delegieren – durch die Entlassung der Schulen in ihre eigene Verantwortung.

Zur Verschärfung der Probleme an den Grundschulen allerdings trägt seit einigen Jahren – nachdem zuvor etliche erfolgreiche Gymnasialjahrgänge ohne bleibende Schäden die sechsjährige Grundschule absolviert hatten – das Bestreben bildungsbürgerlicher Eltern bei, ihre Kinder nach vier Jahren Grundschule so schnell wie möglich auf Gymnasien oder Privatschulen „in Sicherheit“ zu bringen. Dies nämlich führt mitunter zu Klassenkonstellationen in den Jahrgangsstufen 5 und 6, die, vorsichtig ausgedrückt, nicht ganz unproblematisch sind: zusammengelegte Gruppen aus den an der Schule Verbliebenen ohne oder mit stark ausgedünnter Leistungsspitze, häufig damit auch ohne positive gleichaltrige Vorbilder. Die Zeche für dieses Die-eigenen-Kinder-bewahren-Wollen vor den gesellschaftlichen Realitäten – so nachvollziehbar und begründbar dies im Einzelfall auch sein mag – zahlen in spätestens 10 bis 15 Jahren ohnehin wir alle – einschließlich der vermeintlich in Sicherheit gebrachten Gymnasiasten.

Heike Bahr, Berlin

Es ist unverzeihlich, dass unsere Kinder, unsere Zukunft, von Dogmatikern in ein Bildungssystem gezwungen werden, das nachweislich schlecht ist. In unseren Klassen richtet sich der Bildungsfortschritt nach den schlechtesten Schülern. Das erinnert an Schiffskonvois des letzten unseligen Krieges, in denen das langsamste, meist schlechteste Schiff die Konvoi-Geschwindigkeit bestimmte.

Siegfried Kleinhans, Berlin-Siemensstadt

Ich möchte Harald Martenstein ausdrücklich dafür danken, dass er eine Lanze für angemessene materielle und mentale Anstrengungen für die Schule bricht. Weniger dankbar bin ich für den bildungspolitischen Rundumschlag, der damit verbunden ist. Wenn man schon jemanden pauschal abwatscht, dann sollten wenigstens der Adressat und die Begründung stimmen. Oder sind selbst konstruierte Pappkameraden als Ziel und abwegige Behauptungen als Begründung neuerdings das Mittel der Interessenwahrung des von Herrn Martenstein so tief bedauerten Bildungsbürgertums, das nun schon das Gymnasium als Fluchtort benötigt?

Thomas Isensee, Berlin-Charlottenburg

Ich weiß schon lange, warum ich nachts so schlecht schlafe. Besonders schlecht seit Schulreform, PISA & Co und der unsäglichen Debatte darüber mit aus dem Ärmel geschüttelten Patentrezepten. Aber jetzt steht es endlich auch einmal im Tagesspiegel. Nein, noch nicht alle Kollegen sind demotiviert, depressiv oder ausgebrannt nach dreißig Jahren Schuldienst oder mehr. Leistungsprinzip? Ja bitte – aber hoffentlich nach den richtigen Kriterien und von qualifizierten Leuten ausgedacht und durchgeführt! Reform? Um Gottes Willen endlich – aber mit den entsprechenden Bedingungen und Ausstattungen!

Karin Köhn, Berlin-Frohnau

Meine Tochter (Grundschule) kommt teilweise mit Bauchschmerzen nach Hause, weil sie sich ekelt, die Schultoiletten zu nutzen. Tatsächlich schafft man es als Elternteil nach einiger Zeit, sich in den beschäftigten Alltag zurückzuziehen und den schulischen Zuständen gegenüber abzustumpfen. Zum Glück gibt es Artikel wie Ihren und idealistische Eltern, die einen wachrütteln.

Dörthe Brandt, Berlin-Steglitz

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