Leserbriefe : Berlins Weg in die Weltliga

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„Reich und sexy“ vom 23. 10. 2006

Ihre Forderung im oben genannten Kommentar, dass Berlin mehr Unternehmen und damit mehr Wertschöpfung in die Stadt holen muss, um finanziell über die Runden zu kommen, teile ich voll inhaltlich. Ob man Siemens gleich dazu bewegen kann, seine Hauptzentrale von München nach Berlin zu verlegen, wie Sie anregen, mag dahingestellt sein. Aber wie wäre es denn damit, wenn diese Stadt erst einmal mit den Unternehmen vernünftig umgehen würde, die schon hier sind – sozusagen als Signal an andere mögliche Investoren.

Wieso kann denn der so dringend auf Steuereinnahmen angewiesene Finanzsenator Berlins, der gerade in Karlsruhe die Klage auf Armenrecht verloren hat, seit Monaten eine Kampagne führen, die darauf abzielt, dass Berlin und Brandenburgs größter Arbeitgeber, Investor und Ausbilder mit dem einzigen nennenswerten Headquarter eines internationalen Konzerns, das Berlin zu bieten hat, überflüssig wird? Denn darauf laufen die Forderungen von Thilo Sarrazin, der ja mal bei der Bahn nicht gerade im Frieden ausgeschieden ist und über dessen Motivation wir deshalb mal lieber nicht spekulieren wollen, zum Thema DB-Konzern hinaus. Und wieso lässt der Berliner Senat es zu, dass hier deutschlandweit eine Kampagne durch eines seiner Mitglieder geführt wird, die darauf abzielt, die Deutsche Bahn AG als einen der Weltmarktführer im Bereich Mobilität und Logistik mit Sitz in Berlin in seine Einzelteile zu zerlegen, deren Einzelgeschäfte, deren Führungen Hartmut Mehdorn nach Berlin geholt hat, dann natürlich auch dort geführt werden könnten, wo ihr operatives Geschäft betrieben wird – zum Beispiel in Frankfurt? Die freuen sich bestimmt schon darauf, wenn Sarrazin Wirklichkeit würde.

Wie viele Headquarter internationaler Konzerne, denen Sie in Ihrem Kommentar nachtrauern, gibt es denn noch in Berlin und wie viele Unternehmen, die in einer Branche, in der Deutschland und Berlin eindeutig von der Globalisierung profitieren, in der Weltliga mitspielen? Das müsste sich der Berliner Senat vielleicht mal fragen – und der Tagesspiegel übrigens auch bisweilen.

Dieter Hünerkoch, Berlin-Tiergarten

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