Leserbriefe : Beruf: Sohn

„Libyer drohen Schweiz nach Festnahme von Gaddafi-Sohn“ vom 24. Juli

Viele Söhne aus vermögenden Häusern leben ihre Luxusverwahrlosung so hemmungslos aus – oft mit irreparablen Folgen für andere Menschen, und auch für sich selbst – dass uns der Film „Clockwork Orange“ wie ein Kasperletheater für die Kleinsten erscheint. Dass diese Herren Söhne dazu noch meist unbehelligt über den Gesetzen schweben, ist eine altbekannte Tatsache. In der Regel richten es die Papas diskret mit ihren Beziehungen und Douceurs, so dass sich die Rowdys von ihren „anstrengenden Tätigkeiten“ erholen können – bis zum nächsten Auftritt.

So weit, so nicht gut. Das Ende der Fahnenstange ist aber erreicht, wenn das Ausrasten der Sprösslinge die Beziehungen der Staaten berührt und stört.

Gaddafis Sohn, vielfach auffällig geworden, macht munter weiter. Der Vater ist bereit, um den hohen Preis der Verschlechterung seines Ansehens in der Welt dessen Festnahme mit Repressalien gegen Schweizer Geschäftsleute und der Zudrehung des Ölhahns zu beantworten. Der Herr über Leben und Tod in Libyen denkt nicht im Traum daran, Recht und Gesetz anderer Staaten zu respektieren, vor allem aber Vernunft und Einsicht über den Sippenkodex und unüberlegte Bauchhandlungen mit nicht unabsehbaren Folgen zu stellen. Von Läuterung keine Spur. Endet die Macht der Mächtigen dort, wo ihre kranke Affenliebe zu den Söhnen beginnt?

Die Affäre ist auch ein Lehrbeispiel und ein Aufruf für eine kritische und realere Sicht von Soft-Gesprächen in Beduinenzelten und romantisch-hoffenden Träumereien an Ergebenheits-Kaminen.

Conrad Maria Mulenarque,

Berlin-Charlottenburg

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben