Leserbriefe : Besatzer müssen gehen

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Betrifft: „Der Frieden braucht Bürger“ vom 10. April 2004

Im Irak sind die Vereinigten Staaten endgültig gescheitert. Einen Krieg haben sie weder gewonnen noch verloren, denn es hat kein Krieg stattgefunden, sondern eine gewaltsame Okkupation des Irak ohne nennenswerte Gegenwehr. Nun steht Amerika vor einem weiteren blutigen Scherbenhaufen seines blinden militärischen GlobalAktionismus – dieses Mal war es ein kopfloser Rachefeldzug für den 11. September 2001 gegen den falschen Feind.

Fast das ganze irakische Volk steht im Namen Allahs gegen die ungläubigen Besatzer auf, nicht nur gegen die Amerikaner, ebenso gegen die Spanier, die Italiener, gegen die Japaner und gegen die Polen. Kann ausländisches Militär im Irak überhaupt noch irgendetwas Gutes bewirken? Definitiv nicht – und deshalb müssen alle Besatzer sofort gehen. Aber statt den Abzug schnell zu vollziehen, rufen verwirrte Konservative auf beiden Seiten des Atlantiks plötzlich laut nach der Nato – so als ob man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben könnte.

Oder sind diese Hauruck-Politiker gar nicht so verwirrt? Vielleicht nicht, wenn ein früher Rückzug aus dem Irak der Welt ein sinnloses Desaster riesigen Ausmaßes vor Augen führt, das die US-Republikaner ursächlich zu verantworten haben.

Aber in Deutschland stimmten die Rechten mit in das Kriegsgeheul ein. Sie warfen Bundeskanzler Gerhard Schröder Verrat an der gemeinsamen Sache des Westens vor. Und genau diese Leute befürchten jetzt, dass ihnen die bittere Wahrheit um die Ohren gehauen werden könnte. Welch eine Verlogenheit!

Hans-Wilhelm Precht, Bliedersdorf

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