Leserbriefe : Bescheidenheit der Politiker

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Betrifft: „Das Erbe der frühen Jahre“ vom 14. Dezember 2003

Herzlichen Dank für den außerordentlich gelungenen Artikel Ihres Herausgebers Hermann Rudolph zum 40. Todestag des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss! Die kenntnisreichen, sehr informativen und engagiert vorgetragenen Ausführungen sind sicherlich geeignet, diese völlig zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratene großartige Persönlichkeit und ihre Bedeutung für die Gründerzeit der Bundesrepublik gebührend zu würdigen.

Vermisst habe ich lediglich einen Hinweis darauf, dass Theodor Heuss den Widerstandskämpfern des 20. Juli nahe stand und von diesen für den Fall einer erfolgreichen Beseitigung des HitlerRegimes als Regierungssprecher vorgesehen war. Er hat also seinen Fehler, als Reichstagsabgeordneter im März 1933 für das Ermächtigungsgesetz gestimmt zu haben, nicht erst nach 1945 bereut, sondern sich weit früher für ein demokratisches und menschliches Deutschland engagiert – zu einer Zeit, als dies durchaus mit erheblichen Gefahren verbunden war.

Es spricht für die Bescheidenheit und schlichte Größe des Menschen Theodor Heuss, dass er dies nach dem Krieg nicht „an die große Glocke gehängt“ hat – wodurch er sich in wohltuender Weise von anderen Politikern seiner Generation abhob.

Bernd-Robert Balmes, Berlin-Wilmersdorf

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