Leserbriefe : Beschwerden spielen keine Rolle

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Zur Diskussion über die Praxis

der Terminvergabe in Arztpraxen

Seit Beginn der Rationierung und bis heute haben es die Leistungen der Privatversicherungen erst ermöglicht, eine leistungsstarke Ausstattung der Praxen mit genügend Personal und Untersuchungsgeräten aufrechtzuerhalten.Sollte Wirklichkeit werden, was vom Bundesministerium für Gesundheit zwecks „gerechterer Verteilung des medizinischen Angebots“ unter allen Menschen in Deutschland angedacht ist, d. h. dass das Gesundheitssystem sozusagen verstaatlicht wird, dass die Privatversicherungen Standardtarife (das sind Tarife, die denen der gesetzlichen Kassen in etwa entsprechen) anbieten müssen, werden die Zuschüsse aus der privaten Krankenversicherung wegfallen. Mit diesem Wegfall werden nach und nach, aus Kostengründen, die bisher selbstverständlichen, flächendeckenden Angebote auf hohem Niveau ebenso wegfallen. Und erst dann haben wir das, was die Gesundheitsministerin vorgibt schon heute bekämpfen zu müssen: sehr lange Wartezeiten. Die flächendeckende Facharztversorgung mit ihren kurzen bis sehr kurzen Wartezeiten wird uns nur als Nostalgie in Erinnerung bleiben können.

Sigrid Geldmeyer, Berlin-Gatow

Ulla Schmidt irrt mit ihrer Meinung, Ärzte wegen unterschiedlicher Terminvergabe belangen zu können. Jeder Bürger hat freie Arztwahl. Genauso hat auch jeder Arzt freie Patientenwahl! Außer in Notfällen kann ein Arzt aus unterschiedlichen Gründen (Überlastung, fehlende eigene Kompetenz im vorliegenden Fall u. a.) eine Behandlung ablehnen. Bei einem Privatpatienten, der nicht zahlt, wird jeder Arzt – wie auch ein Rechtsanwalt oder Handwerker usw. – die Behandlung ablehnen. Genauso verhält es sich bei den Kassenpatienten.

Gert Hirschmann, Berlin-Zehlendorf

Da Frau Schmidt vor ihrer Ministerlaufbahn Sonderschullehrerin war, war sie zu dieser Zeit sicher auch privat versichert. Sie hat sicher bei ihren ärztlichen Terminvereinbarungen immer darauf hingewiesen, dass sie Privatpatientin ist und bei der Zuweisung ihres Termins nicht bevorzugt werden möchte. Ebenso wird es sich wohl jetzt verhalten, wenn sie aufgrund ihres Postens als Gesundheitsministerin bei der Terminvergabe und der medizinischen Versorgung bevorzugt behandelt werden sollte.

Ich bin privat versichert und habe bisher keine Bevorzugung bei Terminzuweisungen bemerkt.

Ulrich Hesse, Berlin-Lankwitz

Es ist sicher richtig, dass Ärzte keinerlei gesetzliche Vorgaben haben bei der Vergabe von Terminen. Wie man leicht selbst prüfen kann, sind freie Termine vorhanden, man muss nur die richtige Versicherung haben. Es wird eben nicht nach akuten Beschwerden bzw. Dringlichkeit vergeben. Bei telefonischer Nachfrage nach Terminen bei Fachärzten, bei Hausärzten stellt sich in aller Regel das Problem nicht, wird zuerst die Frage nach der Versicherung gestellt, dann folgt die Terminbestätigung, die dann kurzfristig sein kann – bei Privatversicherten – oder sehr langfristig, oft 4 bis 6 Wochen, bei Kassenpatienten. Die Frage nach medizinischer Dringlichkeit wird überhaupt nicht gestellt, sie ist auch nicht erwünscht! Der Grad der Erkrankung bzw. die Symptome oder Beschwerden spielen keine Rolle.

Das Argument, dass ohne Privatpatienten „viele Ärzte pleite wären“, ist so alt wie auch unsinnig. Warum gehen diese Ärzte nicht aus der Kassenbindung heraus und behandeln nur noch Privatversicherte? Und im Übrigen begründet dies auch nicht die Bevorzugung der Privatpatienten gegenüber den Kassenpatienten.

Winfried Schröder, Eichwalde

Ich benötige eine jährliche Mammografie. Nun bietet ein Röntgeninstitut eine Mammografie an, die von den Kassen nicht gezahlt wird. Letztes Jahr wollte ich mich zu einer normalen Mammografie anmelden und hätte bei Anmeldung im Juli einen Termin im Oktober bekommen. Auf meine Frage, was denn wäre, wenn ich wieder selbst bezahlen würde, hieß es, dann könnten Sie natürlich schon nächste Woche kommen. Dieses Jahr habe ich mir wieder die schonendere Untersuchung geleistet und erhielt einen Termin innerhalb einiger Tage.

Beate Kusterka, Berlin-Wedding

Ich bin viele Jahre schon freiwilliges Mitglied der Barmer Ersatzkasse. Heute habe ich um einen Termin wegen Hüftgelenkschmerzen gebeten. Als Termin wurde mir die letzte Januarwoche 2007 vorgeschlagen. Meine Frage nach einem früheren Termin wurde abschlägig beantwortet. Ich habe also um einen Termin als Privatpatient gebeten, da die Schmerzen eine so lange Wartezeit nicht zulassen. Originalton war: Dann können sie nächste Woche Dienstag kommen! Das ist ein eklatantes Beispiel für unsere Zweiklassenmedizin.

Ute Baur-Timmerbrink,

Berlin-Heiligensee

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