Leserbriefe : Besser auf Grönland gipfeln

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Zur Berichterstattung über den bevorstehenden G-8–Gipfel

Auf der Seite 2 vom 16. Mai wird endlich einmal deutlich gezeigt, dass sich die Mehrheit der „großen acht“ in Bezug auf Afrika bisher hauptsächlich aufs Reden und Versprechen beschränkt hat. Es ist allerhöchste Zeit, die zugesagten Mittel endlich bereitzustellen. Dass mehr als die Hälfte der für 2006 versprochenen Gelder noch fehlt, wirft kein gutes Licht auf die G-8-Staaten.

Noch wichtiger ist es aber (wie im Interview auf derselben Seite von Herrn Githongo zu Recht angesprochen), endlich die Märkte der Industrienationen für Produkte aus Afrika zu öffnen. Nur dann können sich die Afrikaner irgendwann selbst helfen!

Julia Schreiber, Berlin-Spandau

G-8-Gipfel hin – G-8-Gipfel her. Überhaupt, warum um Himmels willen muss sich denn der „deutsche Michel“ bereit erklären, das demnächst anfallende G-8-Gipfeltreffen auf deutschem Boden stattfinden zu lassen. Die dafür anfallenden Kosten für Sicherheit, verbunden mit einer überdimensionalen und weiträumigen Absperrung des Tagungsortes, verschlingen Millionenbeträge in zweistelliger Höhe. Diese Gelder wären besser in unsere Familienplanung nebst Kindertagesstätten geflossen.

Demonstranten, aber auch gewaltbereite Randalierer werden zuhauf anreisen und sich, wie schon üblich, undiszipliniert mit Polizei- und sonstigen Sicherheitskräften herumprügeln sowie gravierende Schäden an privaten Einrichtungen und Fahrzeugen anrichten. Um einem derartigen kostenträchtigen Aufwand aus dem Wege zu gehen, hätte ich in jener Angelegenheit einen weitaus besseren Vorschlag gehabt. Obwohl ich als „Otto Normalverbraucher“ nicht zum führenden Beraterteam unserer Bundesregierung gehöre und schon gar nicht jenes beeinflussen kann.

Ein derartiges Gipfeltreffen hätte man besser auf einer Insel wie Island oder Grönland planen können. Eine kontinuierliche Überwachung zu Wasser und in der Luft wäre weitaus günstiger ausgefallen, denn welcher gewaltbereite Demonstrant macht sich schon auf, schwimmend oder per Schiff eine dieser Inseln zu erreichen.

Helmut Martin,

Altena i. Westfalen

Mir ist unklar, was militante Demonstranten eigentlich erreichen wollen. Auf jeden Fall sind sie emotional und gegen jedweden, der sich um eine größere Effizienz bei der Verwendung der Entwicklungshilfe sorgt. Im Interesse der Steuerzahler, die die Entwicklungshilfe aufbringen müssen, muss sichergestellt werden, dass diese nicht verschwendet oder veruntreut wird und dann auf Schweizer Nummernkonten der Potentaten landet, wie es jahrzehntelang zu häufig geschehen ist. Es reicht also nicht, nur mehr Hilfe zu fordern. Es kommt vielmehr darauf an, eine „gute Regierung“ in möglichst vielen Staaten Afrikas zu unterstützen, um überhaupt erst Entwicklungshilfe effektiv zu machen. So gibt es also keinerlei Grund, „wütend zu werden“ und gar zu Gewalt aufzurufen.

All unsere Sympathie sollten die Bundes- und Landespolitiker und die vielen Polizeibeamten haben, die die angekündigten sinnlosen Gewalttätigkeiten in Grenzen halten müssen. Friedliches Demonstrieren ist leider kaum zu erwarten, da die Gewalttäter dieses Ereignis in nur zu bekannter Manier umfunktionieren werden.

Dr. Kurt Lubasch,

Berlin-Schmargendorf

„Popstars warnen G 8 vor Gewalt“

vom 16./17. Mai

Schön, denkt der Leser beim Anblick dieser Schlagzeile. Zwar sind die Herren Musiker durch nichts legitimiert als durch ihre Fähigkeit, erfolgreich Musik zu verkaufen, aber wenn sie vor Gewalt warnen, dann will man mal darüber hinwegsehen und auch hinnehmen, dass ihnen der Tagesspiegel den prominentesten Platz auf der Titelseite einräumt.

Bei der weiteren Lektüre allerdings ist man dann doch ein wenig verwundert: Nicht etwa die Demonstranten werden davor gewarnt, Gewalt anzuwenden, auch handelt es sich nicht wirklich um eine „Warnung“ vor Gewaltanwendung im Sinne einer möglichen Vorbeugung. Vielmehr werden Gewalttaten unterschwellig angekündigt und sogar verteidigt, der Politik wird hingeworfen, sie selbst trüge Schuld, falls die Proteste gegen den G-8-Gipfel gewalttätig werden.

Dass die Herren Musiker auf diese Art und Weise den potenziellen Gewalttätern vorab Absolution geben, ist ärgerlich genug. Dass der Tagesspiegel dafür seine Titelseite hergibt, ist ein Unding.

Andreas Heinzgen,

Berlin-Charlottenburg

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