Leserbriefe : Betreuungsgeld I

Zum Interview mit SPD-Vize

Manuela Schwesig vom 26. November

Auch wenn der Bildungsbegriff in seiner ganzen Breite schon immer nicht leicht zu fassen war, so dürfte es vermutlich konsensfähig sein, wenn Bildung heute als Weg zur Mündigkeit verstanden wird. Bildung zielt somit auf kompetentes Handeln und hat die eigene Urteils- und Entscheidungsfähigkeit zur Grundlage. Es kann einen schon ziemlich wütend machen, wenn viele sich mittlerweile anmaßen, den weniger wohlhabenden oder sozial benachteiligten Eltern eben diese Mündigkeit abzusprechen. Wundern muss man sich auch, wenn sogenannte Experten das geplante Betreuungsgeld für einen „Schmarrn“ halten, da es angeblich Eltern davon abhalte, frühkindliche Bildung in Anspruch zu nehmen. Schwesig bezeichnet diese Unterstützung für Eltern neuerdings gar als „Fernhalteprämie“. Ist diesen vermeintlichen Sachwaltern des Kindeswohls eigentlich nicht klar, dass Bildung immer – ob es nun einigen passen mag oder nicht – grundgelegt wird in der Familie? Eigene Urteils- und Entscheidungsfähigkeit setzt Werte und Maßstäbe voraus, die zuallererst in der Familie geprägt und gelebt werden. Frühkindliche Bildung ist und bleibt damit vor allem Sache der Eltern – und zwar völlig unabhängig davon, ob diese nun arm oder reich sind!

Statt also Kleinkinder so früh wie möglich und am besten ganztags in Horten unterzubringen, wäre es vielmehr notwendig, Eltern in ihrer Erziehungs- und damit Bildungsverantwortung zu stärken. Keine Frage, dass dafür 150 Euro Betreuungsgeld nur ein sehr bescheidener Beitrag sind. Aber sie wären zumindest ein Zeichen der gesellschaftlichen Anerkennung für die Leistungen junger Mütter und Väter, die ihre Verantwortung für die Bildung der nachfolgenden Generation nicht bloß als Teilzeit- oder Nebenjob begreifen. Und wenn für dieses Geld ein gesundes Mittagessen, neue Schuhe und ein warmer Wintermantel gekauft werden kann, wäre das auch nicht verkehrt.

Hendrik Vogt, Berlin-Wilmersdorf

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