Leserbriefe : Betreuungsgeld II

„Merkels Menschenbild ”

von Tissy Bruns vom 24. November

Der Kleine ist zweieinhalb und kann kaum sprechen. Die Mutter ist deutsche Akademikerin, hat nach ihrem Abschluss nie gearbeitet. Ihr Menschenbild: Der Vater hat für die Familie zu sorgen. Dieser, ebenso deutscher Akademiker, verdient allerdings nicht genug, um seine Familie versorgen zu können. Die Mutter ist zu stolz, Hartz IV zu empfangen. Der Vater schuftet von früh bis spät. Die Mutter hat leider eine „Küchenallergie“, weigert sich zu kochen, Hausarbeit ist sowieso nicht ihr Ding. Also muss der Vater auch noch nach Dienstschluss ran. Die Kinder wachsen ohne Kontakt zu Gleichaltrigen auf. Weiß Frau Merkel von der Existenz solcher Familien? Der Blick muss nicht auf die Unterschicht gerichtet sein. Auch in der Mittelschicht gibt es sie. Das Betreuungsgeld dient zum Stopfen der Haushaltskasse, statt Kindermädchen wird lieber eine Putzfrau beschäftigt. Die Kinder sehen von dem Geld keinen Cent. Ist das die Gleichberechtigung, von der Frau Merkel spricht, wenn sie sich gegen ein Betreuungsgeld mit Gutscheinsystem ausspricht? Ein Betreuungsgeld einzuführen anstatt in den Ausbau und in die Verbesserung der Kinderbetreuung zu investieren, ist schon schlimm genug. Aber die Gutscheinlösung unter den Tisch fallen zu lassen ist der blanke Wahnsinn!

Tanja Tschierse, Berlin-Friedrichshain

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