Leserbriefe : Bildung a la Bruce Willis

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„Mittel für Sprachunterricht werden neu verteilt: Kreuzberger Schulen verlieren

die Hälfte“ vom 25. April

Soso, ein paar Lehrer weniger an Kreuzberger Schulen. Statt berlinweit einzustellen, wie immer mal angekündigt, ist man in der Senatsverwaltung scheint’s bemüht, Schulrealitäten an die Meinung des Regierenden anzupassen. Das nenne ich wahrlich gelungene Umsetzung politischer Vorgaben. Da werden glatt noch ein paar Eltern für ihre Kleinen Schulen jenseits von Kreuzberg suchen.

Das eigentliche Paradestück politisch- administrativer Kunst ist aber erst geschafft, wenn zuständige Beamte eine ihnen selbst vermutlich peinliche Mangelverwaltung mit moralischen Gütesiegeln versehen und irgendwas von „gerechterer Verteilung“ faseln. Der eine oder andere Schuldirektor wird’s hoffentlich danken. Alle anderen werden nämlich nur mit dem Kopf schütteln können, sollte es ihnen nicht sowieso egal sein, wie ganz bestimmt dem Straßenmob, den man auf diese Weise züchtet.

Auch das wäre dann nicht überraschend, sondern im Bericht des UN-Sonderberichterstatters Munoz nachzulesen. Übrigens: Wahrscheinlich mögen unsere Bildungspolitiker den Bericht schlicht deshalb nicht, weil sein Minimalecho den nochmals leiseren Jubel unserer Kinder ob der Gerechtigkeitsgroßtaten im Bildungsbereich übertönt. Und das ausgerechnet jetzt, wo in Berlin „die Bildungsverwaltung die ganze Zuteilung auf eine neue Grundlage stellt.“ Herr Zöllner, ich bin beeindruckt, wie sich ihre Mannen voller Elan gegen eine „historisch gewachsene“ Ungleichverteilung stemmen. Das ist echt braveheart- und fast schon bildungsbrucewillismäßig.

Dr. Alfredo Märker, Berlin-Kreuzberg

Die Entscheidung, Stunden für Deutsch als Zweitsprache künftig im Gießkannenprinzip über die Berliner Schulen zu verteilen, ist an Unsinnigkeit wohl kaum zu überbieten. Sie bedeutet zu Ende gedacht, dass beispielsweise ein Gymnasium für diejenigen Schüler mit Migrationshintergrund, die einen Leistungskurs im Fach Deutsch besuchen, die gleiche Anzahl an Stunden erhält, wie eine Grundschule für ihre Erstklässler, die kein Wort Deutsch sprechen. Man muss kein Bildungsexperte sein, um die Qualität eines solchen Verfahrens bewerten zu können.

Außerdem ist klar, dass die hohe Abhängigkeit von schulischer Leistung und sozialer Herkunft auf diesem Weg weiter zementiert wird. Denn die Ursache für die schlechten Deutschkenntnisse vieler Schüler liegt sehr häufig nicht vorrangig an der Herkunft aus einem anderen Land, sondern an der Bildungsferne oder sogar Bildungsfeindlichkeit der Eltern. Es ist bedrückend, dass Schüler getroffen werden, deren Eltern sich eben wegen dieser Bildungsferne nicht gegen diese Maßnahme wehren werden. In letzter Zeit wird viel über die Vernachlässigung von Kindern gesprochen. Hier geschieht sie von Staats wegen.

Rolf Gravenkamp, Berlin-Wedding

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